Italien, meine "zweite Heimat"

Was gefällt Euch und was gefällt Euch an Italien nicht - das lest Ihr hier

  • stimmungsvolle Aufnahme aus dem Piemont

    Dem österreichischen Journalisten Heinrich G. Neudhart, sich gerne und oft in Italien aufhielt, das Land und die Leute liebte, stellte einmal ein Italiener die Frage: "Was finden Sie bloß an Italien?. Neudhardt begab sich dann auf Antwortsuche, daraus entstand ein kleines Buch. Nun, ich möchte jetzt kein Buch, ob klein oder groß, über meine Antworten zu dieser Frage geben. Aber zumindest begebe ich mich auch auf "Antwortsuche".

    Italien ist in 20 Regionen eingeteilt. Das ergibt mindestens 20 regionale Küchen, mindestens 20 unterschiedliche Mentalitäten und mindestens 20 verschiedene Dialekte. Kurz gesagt, um Italien kennenzulernen reicht es nicht aus, nur nach Grado oder an den Gardasee zu fahren. Jede Reise offenbart etwas Neues. Und meine ich, einen Ort besonders gut zu kennen, kann es mir passieren, dass ich beim nächsten Besuch ganz erstaunt eine mir völlig unbekannte Ecke zu entdecken.

    Zugegeben, meine Sprachkenntnisse und meine offene Art mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, öffnen mir die eine oder andere Tür. Aber wenn ich erst einmal irgendwo in Italien bin, über einen Markt bummle oder bei einem Glas Wein mit den Einheimischen ins Plaudern komme, merke ich, da ist noch etwas anderes. Es ist nicht so wie in Frankreich oder Deutschland.

    Der herrliche Hauptplatz in Ascoli Piceno in den Marken, wo die Menschen zu einem Schwatz und einem Glas Wein zusammenkommen; das verschlafene Dorf Asolo über der venezianischen Tiefebene, wo man in der Bar bereits weiß, wenn "unten im Tal" ein Touristenbus unten im Tal angekommen ist, das kleine süditalienische Dorf, das während der Siesta wie ausgestorben wirkt und am Abend mit Leben überschäumt oder die Bauern in Apulien, die ihre Olivenbäume fast zärtlich pflegen und die Erde um die Bäume herum so sauber jäten wie einen englischen Rasen. Das sind nur ein paar Bild, die mir bei dem Wort "Italien" einfallen.

    Wenn bei uns noch der Schnee von den Bergen schaut, kann man in Italien bereits einen Kaffee auf der Piazza trinken; wenn bei uns der Herbstwind die Blätter von den Bäumen fegt, wärmen noch kräftige Sonnenstrahlen südlich der Alpen und die Menschen sitzen vor den Bars bei einem Glas Wein. All das mögen Gründe dafür sein, dass in Italien das Leben irgendwie einfacher wirkt. Nicht, dass Italien nicht auch riesige Probleme hätte, die die Menschen dort gar nicht gerne sehen wollen. Aber die Italiener verstehen es vielleicht besser, auf das Wesentliche im Leben zu schauen. Um den Rest wird sich schon wer kümmern.

    Jedes Jahr freute ich mich auf die letzten Reiseleitungen im Spätherbst nach Italien, bevorzugt auf jene mit letzter Übernachtung in Abano oder Montegrotto Terme. Wenn es draußen zu dunkeln begann, aalte ich mich im 38° C-warmen Thermalwasser im hoteleigenen Hallen- oder Freibad. Ein kurzes Nickerchen vor dem Abendessen, dann noch einmal die italienische Küche genoßen, ab ins Bett und am letzten Tag waren alle Reiseteilnehmer von der Reise begeistert gewesen!

    Die Reisen in Italien müssen nicht vollgestopft mit Programmpunkten sein. Ein Spaziergang in den Euganeischen Hügeln, durch ihren uralten Dörfern wie Arquà Petrarca (hier lebte der berühmte Dichter Francesco Petrarca) oder eine Parkanlage wie jene des Schlosses in Valsanzibio oder ein Besuch in der Abgeschiedenheit der Abtei von Praglia - da atme ich kräftig durch und lasse mich von der südländischen Atmosphäre gefangen nehmen.

    Eine andere Reise führte mich Mitte November 2006 ins nördliche Latium, in die sogenannte Tuscia. Die Touristen waren schon lange weg, der Bolsena-See lag friedlich im Krater und die Weinernte war eingebracht. Gerade begann man mit der Olivenöl-Produktion und es gab kleinere Märkte lokaler Spezialitäten. Am Lago di Vico verbrachte ich ein paar herrliche Stunden in einer Agriturismo und abends saß ich ganz alleine in einem Lokal direkt am Bolsena-See, nur zwei Minuten von meinem Hotel entfernt. Es waren wirklich schöne Tage in Mittelitalien!

    Ich finde aber auch immer wieder Orte der Ruhe und inneren Einkehr. Tiefe Gläubigkeit entdeckte ich in den Kathedralen von Otranto und Bari, wo an jeder Hausecke ein Heiligenbild hängt (manchmal elektrisch beleuchtet); bei Begräbnissen klatscht man, wenn der Sarg aus der Kirche getragen wird; ein Aufenthalt in Sant Antimo in der Südtoskana früh morgens ist ein Erlebnis: Grillengezirpe, Kuhlglockengeläute, leiser Chorgesang der Mönche, uralte, sich im Stamm windende Olivenbäume rings um die romanische Kirche, der nächste Ort weit entfernt. Sie müssen aber in der Früh bald dort sein, noch bevor die Studienreisengruppen und andere Touristenscharen einfallen!

    "Was finde ich bloß an Italien? - jedes Mal irgendetwas Neues! Meint Peter Krackowizer
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    Autor:
    Peter Krackowizer
    Datum:
    überarbeitet im März 2013
  • Was gefällt Euch und was gefällt Euch an Italien nicht

    So lautete die Frage in einem Italien-Forum.

    Man fühle sich stets unsicher, ob sein Auto nach einer Besichtigung noch da stehe, war eine der Antworten. Da musste ich natürlich etwas dazu schreiben: Das einzige Mal, dass mir in mein Auto eingebrochen wurde, war in Salzburg-Nobelvorort Anif - um 18:30 Uhr im März 1996. Aber in Italien, in das ich seit bald 30 Jahren mit privatem Pkw ebenso wie mit Reisebussen fahre, habe ich privat noch keinen einzigen Einbruch gehabt und bei den Reisebussen vielleicht von zehn Fällen in diesen Jahren gehört. Aber auch das ist in meinen Augen nicht ungewöhnlich. Denn in Tschechien, Polen, Frankreich und Spanien kommt das auch mindestens so häufig vor. 2013 wurden sogar zwei Reisebusse in Österreich gestohlen.

    Tja, stört mich was an Italienern oder Italien? Ich meine, ebenso viel oder wenig wie an Österreich und Österreichern, meiner Heimat.

    Man muss die Eigenheiten des Landes und der Menschen hinnehmen als Gegebenheiten. Italiener beschweren sich bei uns über die unverschämten Mineralwasser- und Weinpreise in den Restaurants - aber das ist halt so bei uns.

    Was gefällt mir an diesem Land so. Da wird es schon einfacher: die Lebensart, der Umgang mit Problemen und der Zeit, der Lebensrhythmus - das "no problem"-Syndrom!

    Ein Gespräch mit einem Einheimischen bei ein paar Glaserln Wein, eine hitzige Diskussion beim Qualifying eines Formel-1-Laufes vor dem Fernseher, die Freundlichkeit der Menschen je weiter man in den Süden des Landes kommt und und und

    Touristen wird es halt' meist wie überall ergehen: einmal oder zweimal fahren sie nach Italien, haben gute oder schlechte Erfahrungen gemacht und danach beurteilen sie dann das Land. Wie sollten sie auch anders? Aber um ein Land wirklich kennen zu lernen, muss man lange und oft dorthin reisen, noch besser dort leben, und wenn es nur zeitweise wäre.

    Und so gesehen - kenne ich nach bald 30 Jahren Italien noch immer nicht wirklich!
    meint Peter Krackowizer

    Mein Tipp: wenn man die Sprache versteht und sprechen kann, ist vieles einfacher und verständlicher. Bereiten Sie sich daher mit Sprachkursen zum Beispiel beim Humboldt Fernlehr-Institut optimal auf auf Ihre Italien-Reise vor!
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    Peter Krackowizer
    überarbeitet im März 2013
Peter Krackowizer, Reise-Experte & freier Journalist, Neumarkt am Wallersee, Salzburg, Österreich