Burgund – Impressionen einer faszinierenden Region
Schon zu meiner Schulzeit interessierte ich mich für das Burgund – damals eher aus Pflicht, weil in der Fremdenverkehrsschule Salzburg‑Kleßheim Weinbergschnecken, die Weinregionen Chablis, Côte d’Or und Mâconnais sowie der berühmte Dijon‑Senf auf dem Lehrplan standen. Vieles davon ist verblasst, doch erst Jahre später wurde mir bewusst, welche geschichtliche, kulturelle und kulinarische Bedeutung diese Region Frankreichs tatsächlich besitzt.
Geschichte
Das Burgund war über Jahrhunderte ein politisches Schwergewicht Europas. Zwar gehörte es formal zum Fränkischen Reich, doch die Herzöge verstanden es, ihre Unabhängigkeit weitgehend zu bewahren. Erst 1477, nach der Heirat von Maria von Burgund mit Maximilian von Habsburg, griff König Ludwig XI. ein und erklärte die Herzogtümer zu heimgefallenen Lehen. Damit begann eine neue Phase der französischen Geschichte – und das Burgund wurde endgültig Teil des Königreichs.
Kulturelles Erbe
Kaum eine Region Frankreichs vereint so viele bedeutende religiöse und architektonische Zeugnisse wie das Burgund. Cîteaux, das Mutterkloster der Zisterzienser, prägte die europäische Klostergeschichte. Cluny war im Mittelalter ein geistiges Zentrum von europäischem Rang. Im 20. Jahrhundert entstand in Taizé eine ökumenische Gemeinschaft, die bis heute Menschen aus aller Welt anzieht.
Sehenswürdigkeiten und besondere Orte
Hospices de Beaune
Das spätmittelalterliche Hospital mit seinen farbig glasierten Dachziegeln ist eines der Wahrzeichen des Burgund. Im Inneren lässt sich die historische Krankenstation besichtigen. Das Hospiz besitzt eigene Weinberge, deren Erträge jedes Jahr im November bei einer berühmten Auktion versteigert werden – ein Höhepunkt des Jahres.
Côte de Nuits und Chablis
Dijon, einst Hauptstadt des Herzogtums, ist Ausgangspunkt für einige der renommiertesten Weinlagen Frankreichs. Die Côte de Nuits steht für große Rotweine, während Chablis – oft als „Tor zum Burgund“ bezeichnet – für klare, mineralische Weißweine berühmt ist. Im Ort Chablis selbst können historische Kelleranlagen besichtigt und Weine verkostet werden.
Abtei Fontenay und Vézelay
Die Abtei Fontenay gilt als eines der am besten erhaltenen Zisterzienserklöster Europas. Ihre schlichte Architektur vermittelt eindrucksvoll die Ideale des Ordens. Vézelay, ein bedeutender Ort am Jakobsweg, beeindruckt mit seiner romanischen Basilika und einem mittelalterlichen Ortsbild, das bis heute erhalten ist. Ein Abstecher nach Noyers‑sur‑Serein mit seinen Fachwerkhäusern aus dem 15. Jahrhundert rundet die Zeitreise ab.
Die Weinstraßen des Burgund
Die Weinlandschaft des Burgund ist geprägt von den sogenannten climats – kleinräumigen Parzellen, die seit Jahrhunderten klar abgegrenzt sind. Dieses einzigartige Mosaik wurde von Benediktiner- und Zisterziensermönchen geschaffen und gehört heute zum UNESCO‑Welterbe.
Die bekannteste Route ist die „Champs‑Élysées des Burgund“, die durch die Côte de Beaune führt und mehrere Grand‑Cru‑Lagen verbindet. Auch die Weine aus Chablis – vom frischen Chablis bis zum kraftvollen Premier oder Grand Cru – gehören zu den großen Klassikern der Region.
Kulinarische Spezialitäten
Honigbrot, pain d’épice, Coq au vin, Boeuf Bourguignon, Weinbergschnecken, Dijon‑Senf und der berühmte Aperitif Kir – die burgundische Küche ist herzhaft, bodenständig und eng mit dem Wein verbunden. Auch Trüffelmärkte, etwa in Vézelay oder Noyers‑sur‑Serein, gehören zu den kulinarischen Höhepunkten.
Hausboote auf Kanälen, Wanderungen von Vézelay auf dem Jakobsweg, romanische Kirchen, elegante Schlösser, mittelalterliche Dörfer und Feste wie die Fêtes de la Vigne – das Burgund bietet eine Fülle an Eindrücken. Fast 40 Orte, Klöster, Kirchen und Schlösser von Weltrang warten darauf, entdeckt zu werden. Eine Region, die Zeit verlangt – und sie reich belohnt.