Über die legendären Oldtimer Grand Prix auf dem Salzburgring von 1974 bis 1987 von Helmut Krackowizer

Oldtimer Grand Prix 1981 auf dem Salzburgring: Start von vier Weltmeistern – Walter Zeller (GER), Luigi Taveri (SUI), Bill Lomas (GBR) und John Surtees (GBR)

Nachdem Helmut Krackowizer sich 1955 vom aktiven Rennsport zurückgezogen hatte, begann er, historische Motorräder in ganz Europa aufzuspüren. Einige dieser Funde behielt er, ließ sie restaurieren und tauschte sie wieder. 1967 gründete er den dritten Motor Veteranen Club in Österreich. 1976 war Krackowizer auch kurze Zeit Präsident des österreichischen Motor Veteranen Verbands.

Krackowizer kannte so gut wie jedes historische Motorrad im Detail, wusste die Geschichten seltener Motorräder und die Lebensläufe von Rennfahrern zu erzählen. Zu seinen Freunden zählten u. a. Sammy Miller, John Surtees, Walter Zeller, Luigi Taveri, Hans Haldemann, Schorsch Meier und viele andere aus der Motorrennsportszene. Selbstverständlich war er Mitglied beim "Rudge Enthusiasts Club" in England.

Doch Helmut Krackowizer stieg später wieder in den Sattel und nahm an verschiedenen Veteranenveranstaltungen teil. 1973 startete er beim ersten Oldtimer-Rennen auf dem europäischen Festland, auf dem Nürburgring, mit einer Sunbeam 90 (Baujahr 1929) und wurde Gesamtsieger.

1990 fuhr er im Rahmen der englischen "Tourist Trophy" bei der sogenannten "Lap of Honour" eine Ehrenrunde auf einer "Rudge 500" – jener Maschine, mit der Wal Handley 1930 die TT gewonnen hatte. Bei dieser Parade sind ausschließlich Motorräder zugelassen, die tatsächlich einen TT‑Sieg errungen haben. Bis ins Alter von 77 Jahren – also bis 1999 – nahm Krackowizer aktiv an Veteranenveranstaltungen teil.

Link zu einem nostalgischen Bilderbogen der Oldtimer Grand Prix

Die Entstehungsgeschichte

Oldtimer Grand Prix Salzburgring 1974 – erster Wettbewerb für historische Motorräder

Einen Lebenstraum erfüllte sich Helmut Krackowizer mit den großartigen Motor‑Veteranen‑Rennen auf dem Salzburgring, den Oldtimer Grand Prix.

Zwischen 1974 und 1987 fand am Salzburgring neun Mal der "klassische" Oldtimer Grand Prix für historische Motorräder und Automobile statt, der jedes Mal mehrere Hundert Teilnehmer aus aller Welt anlockte. 1994, 1996 und 1997 gab es dann nochmals Motorveteranenläufe auf dem Salzburgring in sehr abgespeckter Version in Zusammenarbeit mit dem ARBÖ Salzburg.

Die Entstehung

Erst durch die Eröffnung des "Salzburgring" 1969 als permanente Rennstrecke vor den Toren der Stadt Salzburg entstand die Möglichkeit, an Veranstaltungen mit historischen Fahrzeugen zu denken. Bis zum ersten Oldtimer Grand Prix 1976 konnte man nur kurzzeitig Straßenzüge oder Straßenrundkurse für derartige Veranstaltungen sperren, ohne den Verkehr nachhaltig zu behindern.

In den 1960er‑Jahren gründeten sich Motor Veteranen Clubs und man erinnerte sich der Werte alter Automobile und Motorräder. Während man in England schon länger auf permanenten Rennstrecken derartige Veranstaltungen durchführte, begann man nun auch in Deutschland auf alten Streckenteilen des Nürburgrings (1973) und auf dem Hockenheimring mit historischen Rennveranstaltungen.

So fand dann in Salzburg in Zusammenarbeit des "MVCS Motorveteranen Club Salzburg" unter der damaligen Leitung von Helmut Krackowizer und dem ARBÖ 1974 der "1. Wettbewerb um die Castrol‑Austria‑Trophäe in memoriam Rupert Karner" auf dem Salzburgring statt. Dabei handelte es sich um einen Lauf im Rahmen des Rennwochenendes der Motorrad‑Weltmeisterschaftsläufe. Dieser Lauf war nur für Motorräder ausgeschrieben. Erst ab 1976 gab es dann auch Läufe für Automobile.

Schon früher hatte die 5. Int. Motorveteranen‑Rallye um den blauen Donaupokal der MARTHA vom 18. bis 20. September 1970 in Salzburg stattgefunden. Die Strecke führte von Salzburg nach Glasenbach, wo die erste Zeitetappe begann, die über Hallein und das Wiestal zum Fahrerlager am Salzburgring führte. Die nächste Zeitetappe führte von Fuschl am See nach St. Gilgen und weiter nach Mondsee. Die folgende Etappe begann in Zell am Moos und führte über Straßwalchen, Neumarkt am Wallersee und Köstendorf nach Mattsee, wo eine "ländliche Jause" im Braugasthof Sigl in Obertrum folgte. Die letzte Etappe schließlich begann in Obertrum und brachte die Teilnehmer über Elixhausen, Lengfelden, Bergheim und Plainbrücke zum Ziel in Salzburg‑Itzling bei der ARAL‑Tankstelle der "MARTHA" in der Raiffeisenstraße. Diese Rallye fand dann nochmals 1975 statt.

Nach 1994 fanden dann noch zweimal Oldtimer Grand Prix am Salzburgring statt, nämlich 1996 und 1997, allerdings organisiert vom ARBÖ Salzburg. Und auch der Charakter der Veranstaltung war der Entwicklung der Zeit angepasst: Es gab Läufe der "European Challenge for Historic Touring Cars", Grand‑Tourisme‑Meisterschaftsläufe und Motorradläufe. Diese waren jedoch mit nur 48 Startern mehr als mager im Vergleich zu den großartigen Veranstaltungen in den 1970er‑ und 1980er‑Jahren.

Die Oldtimer Grand Prix am Salzburgring

1976: Die Bezeichnung „Oldtimer Grand Prix“ wird verwendet

Die Veranstaltung

1974 und 1975 fanden nur Läufe im Mai im Rahmen des Motorrad‑Weltmeisterschaftslaufes statt. 1976 gab es erstmals einen "Oldtimer Grand Prix" als eigenständige Tagesveranstaltung. Ab 1978 sowie in den Jahren 1979, 1981, 1983, 1985 und 1987 wurde er als Wochenendveranstaltung Ende August oder Anfang September durchgeführt. Diese Treffen wurden zu einem Fixpunkt für Sammler sowie aktive und ehemalige Rennfahrer. Es gab Bewerbe für Automobile und Motorräder, unterteilt in Jahrgangsklassen und Kubikzentimeter‑Kategorien.

Bei den "Oldtimer Grand Prix" handelte es sich um Gleichmäßigkeitsbewerbe: Die erste Runde war eine Aufwärmrunde, die Zeit der zweiten Runde sollte dann möglichst exakt drei weitere Runden lang wiederholt werden. Ein Lauf bestand somit aus fünf Runden zu je 4,2 km. Je Klasse wurden zwei Läufe gefahren. Sieger war jener Teilnehmer, der die geringste Zeitabweichung erzielte.

Bereits am Freitagnachmittag trafen die ersten Teilnehmer im Fahrerlager ein. Der Samstag war der technischen Abnahme (Sicherheits‑ und Markenkontrolle) sowie dem Training gewidmet, der Sonntag den beiden Gleichmäßigkeitsläufen. An diesen Wochenenden kamen bis zu 10 000 Zuschauer an den Ring.

Die erste Veranstaltung am 5. Mai 1974 fand bei strömendem Regen statt. 1979, am Wochenende des 8. und 9. September, feierte man gleich zwei Jubiläen: "50 Jahre Gaisbergrennen" (das letzte fand 1968 statt) und "40 Jahre TT‑Sieg Schorsch Meier". Zudem gedachte man der 25‑jährigen Wiederkehr des Todestages des bisher einzigen österreichischen Motorrad‑Solo‑Weltmeisters Rupert Hollaus.

Der "Oldtimer Grand Prix" musste dann aufgrund verschärfter Lärmschutzbestimmungen des Bundeslandes Salzburg in den 1990er‑Jahren eingestellt werden. Hinzu kam, dass die österreichische oberste Sportkommission (OSK) die letzte Veranstaltung 1994 in letzter Minute mit einem "verstaubten" (O‑Ton Helmut Krackowizer) Passus aus der Sportgesetzgebung abzuwürgen versuchte: Bei Veteranenveranstaltungen ist nur eine maximale Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h erlaubt. (Anmerkung: 1981 wurden Spitzengeschwindigkeiten von 200 km/h und Durchschnittsgeschwindigkeiten bis zu 137 km/h gefahren!)

Helmut Krackowizer sagte in einem Interview nach der Veranstaltung 1994 mit Andy Schwietzer: "…wir fuhren die Veranstaltung und schlossen am Ende halt alle Teilnehmer aus, um den Bestimmungen der OSK Genüge zu tun…" So endete der wohl bekannteste Oldtimer Grand Prix Mitteleuropas.

Helmut Krackowizer bei einer Fahrerbesprechung am Salzburgring

Die Teilnehmer

Bei bis zu 70 Automobilen und bis zu 200 Motorrädern stammten die Teilnehmer aus ganz Europa, manche kamen sogar aus Übersee angereist. Unter den prominenten Teilnehmern waren unter anderem:

Bei den Automobilisten:

  • Juan Manuel Fangio – der fünffache Weltmeister aus Argentinien war 1979 im Mercedes‑Benz Grand‑Prix‑Rennwagen W 196 (Baujahr 1955) der Star der Veranstaltung.
  • Niki Lauda – er lenkte einen legendären Mercedes‑Benz "Silberpfeil".
  • Prof. Dr. Max Reisch im Steyr Typ 100 (6/32 PS, 1400 cm³), mit dem er in den 1930er‑Jahren rund um die Welt fuhr und zuvor die erste Glocknerstraßen‑Überquerung mit Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl und Ing. Franz Wallack unternommen hatte.
  • John Surtees (GB) – der einzige Weltmeister auf Motorrad und Automobil.
  • Otto Mathé (Innsbruck) mit seinem Porsche‑Urahn, dem Berlin‑Rom‑Wagen von 1940 auf VW‑Basis (1977).
  • Hans Herrmann (DE) in einem Mercedes‑Benz 300 SLR (1977).
  • 1981 – Porsche‑Werkfahrer Jürgen Barth.
  • 1981 – Bosch‑Renndienstleiter Jüttner.

Bei den Motorradfahrern:

  • Bill Lomas (GB) – 1955 und 1956 Weltmeister auf Moto Guzzi.
  • Luigi Taveri (CH) – dreifacher Weltmeister auf Honda.
  • "Wiggerl" Kraus und sein "Schmiermaxe" Bernhard Huser – ehemalige BMW‑Beiwagengespannfahrer, fünffache deutsche Meister.
  • Jock West (GB) – BMW‑Werksfahrer 1937–1939.
  • Reinhard Hollaus – Bruder des Weltmeisters Rupert Hollaus; er fuhr jene NSU "Rennfox" 125 cm³, mit der Rupert 1954 Weltmeister wurde.
  • Franz Falk aus Graz.
  • Georg "Schorsch" Meier (DE) – erster Nicht‑Brite, der 1939 die "Senior TT" auf der Isle of Man gewann.
  • Fritz Walcher – Sieger des ersten Nachkriegsrennens im Oktober 1946 in Salzburg‑Nonntal.
  • Die Brüder Ferdinand und Edi Kranawetvogl – ehemalige Salzburger Motorradrennfahrer.
  • Siegfried Cmyral – pilotierte von 1929 bis 1932 die legendäre Kompressor‑Puch.
  • August "Gustl" Hobl – DKW‑Werksfahrer der 1950er‑Jahre, mehrfacher deutscher Meister.
  • Franta Stastny – Vizeweltmeister aus der Tschechoslowakei.
  • Hans Haldemann (CH) – mehrfach in der WM‑Rangliste mit schnellen Norton‑Gespannen vertreten.
  • Walter Zeller (DE) – ehemaliger BMW‑Werksfahrer, mehrfacher deutscher Staatsmeister und einmal WM‑Vizeweltmeister.
  • Erwin Lechner (AT) – siebenfacher Motorrad‑Staatsmeister.
  • Nello Pagani (IT) – Motorradweltmeister und Automobilrennfahrer.
  • Fritz Walcher aus Seewalchen.

Prominente als Zuschauer fanden sich ebenfalls ein, wie Prof. Eberan von Eberhorst, angesehener österreichischer Ingenieur, der vor allem an der Entwicklung und am Bau von Grand‑Prix‑Rennwagen bei Auto Union in der Zwischenkriegszeit beteiligt war, Fürst zu Hohenlohe‑Langenburg, die früheren BMW‑Konstrukteure Dipl.‑Ing. Schleicher und Klaus von Rücker sowie die beiden international bekannten Motorradexperten Dipl.‑Ing. Helmut Hütten und Ing. H. W. Bönsch.

Auch hinter den Kulissen waren bekannte Salzburger tätig, zum Beispiel Fritz Stengl, Leiter der Zeitnahme (Christian Krackowizer, einer der beiden Söhne von Helmut, übernahm die EDV‑Auswertung der Zeiten). Der Vater von Fritz Stengl war Rennleiter bei den Großglockner Automobil‑ und Motorradrennen 1935, 1938 und 1939 sowie schon vorher bei den Gaisbergrennen gewesen. Sein Sohn Manfred Stengl war erfolgreicher Motorradrennfahrer, Bob‑ und Rennrodelsportler.

Die Fahrzeuge
Auch hier wäre die Liste lang, würde man alle "Edelsteine" erwähnen. Einige Beispiele:

  • 1981 war ein legendärer "Silberpfeil" von Mercedes‑Benz in Salzburg, mit dem Hermann Lang 1939 Europameister wurde; der 3‑Liter‑Kompressorwagen mit knapp 500 PS wurde von Niki Lauda pilotiert.
  • 1981 war als ältester Wagen ein 1,5‑Liter‑Vierzylinder‑Kompressor‑Mercedes‑Benz von 1924 zu sehen, aus dem Deutschen Museum München – Siegerfahrzeug der Targa Florio 1924.
  • 1981 gehörte ein Talbot‑Lago‑Grand‑Prix‑Wagen von 1949 ("Delahaye‑Sport"), gefahren von Fürst zu Hohenlohe‑Langenburg, zu den besonderen Raritäten.
  • 1981 pilotierte Helmut Schellenberg einen Bugatti 35 C, mit dem Fürst Lobkowitz beim Gaisbergrennen 1930 teilnahm und einen spektakulären Unfall hatte.

Weitere Fahrzeuge unter den Automobilen:

  • Austro Daimler ADM 1924
  • DKW F1 Rennwagen 1930
  • Rolls‑Royce 20/25 von 1934
  • Mercedes‑Benz 300 SL von 1952
  • Stanguellini Formel Junior 1959 (die Firma Stanguellini in Modena; auch Niki Lauda fuhr einmal einen Rennwagen aus diesem Haus)

Bei den Motorrädern:

  • 1981 sah man erstmals eine Werks‑NSU 350 cm³ von 1937 mit dem letzten Doppelnockenmotor von Walter Moore – restauriert und gefahren von Heinz Metzmeier.
  • 1981 kam Günther Warnecke (Bremen) mit einer seltenen 500er‑Rudge TT Replica 350 cm³, aufgebaut von ihm und gefahren von seinem Sohn.
  • Reinhard Hollaus fuhr die NSU Rennfox 125 cm³, mit der sein Bruder Rupert Weltmeister geworden war.
  • Ivan Rhodes (GB) brachte 1974 die einzige noch fahrbereite 500‑cm³‑Werks‑Velocette, mit der Stanley Woods vor 1939 die Norton‑Konkurrenz herausforderte.
  • Hans Wilhelm Busch (BRD) brachte 1974 eine achtventilige V‑2‑Zylinder‑Wanderer von 1925.
  • 1987: Michael Krauser jun. brachte die Ex‑WM‑BMW‑Beiwagenmaschine Deubel/Hörner von 1961.
  • 1987: Erwin Bongards (DE) fuhr die vollverkleidete Doppelnocken‑Einzylinder‑Moto Guzzi von 1955.
  • Weitere Motorräder: Scott TT 500 (1926), Puch 250 Sport (1928), Megola 640 Fünfzylinder (1923), DKW 350 SS (1939), zahlreiche Rudge‑Maschinen.

Der Markenreigen begann mit Ariel und AJS und reichte über Brough‑Superior, BSA, Calthorpe, D‑Rad, Douglas, DKW, DSH, Gillet Herstal, Humber, Harley‑Davidson, Moto Guzzi, Megola, Norton, New Imperial, NSU, Puch, Raleigh, Rudge, Schütthoff, Standard, Velocette und Wimmer bis Zenith. (Die Aufzählung ist unvollständig.)

Die Sponsoren

Eine derartige Veranstaltung wäre auch damals nicht ohne großzügige Unterstützung von Firmen möglich gewesen. Der Automobilteil lief unter dem Titel "Mercedes‑Benz Cup", später "Mercedes‑Benz‑Trophäe Alfred Neubauer", gesponsert von Mercedes‑Benz Österreich. Der Motorradteil trug den Titel "Castrol Austria Trophy", gesponsert von Castrol Austria. Weitere Sponsoren waren u. a. der österreichische BMW‑Importeur Wolfgang Denzel.