Charlotte von Kalb (* 1761; † 1843), deutsche Schrifstellerin
Eine Kreuzfahrt war bis Anfang der 1970er‑Jahre etwas, wovon ein Normalsterblicher meist nur träumen konnte. Sie galt als die eleganteste und zugleich kostspieligste Form des Reisens. Entsprechend war sie nur einer kleinen, wohlhabenden Gruppe vorbehalten.
Ab den 1980er‑Jahren änderte sich das jedoch grundlegend: Neue, größere Schiffe ermöglichten erstmals deutlich niedrigere Preise pro Passagier, und Reedereien begannen, Kreuzfahrten als Urlaub für jedermann zu vermarkten. Gleichzeitig wuchs der internationale Tourismus rasant, Charterflüge wurden günstiger, und die Menschen waren bereit, mehr Geld für Reisen auszugeben. Die Kreuzfahrtindustrie reagierte darauf mit immer moderneren Schiffen, vielfältigen Routen und einem Unterhaltungsangebot, das eher an schwimmende Ferienresorts erinnerte als an klassische Ozeandampfer. Damit wurde die Kreuzfahrt zu einer attraktiven Alternative für Familien, Paare und preisbewusste Urlauber – und entwickelte sich zu dem Massenreisemittel, das wir heute kennen.
Warum 2025 kein einziges Kreuzfahrtschiff auf den Ozeanen unter deutscher Flagge fährt, beschreibt Brigitte Vetter in einem Beitrag auf reisereporter.de (hier der Link).
Wenn Sie wissen möchten, was aus dem Traumschiff MS Astor wurde, finden Sie im NDR‑Artikel (Link) die Geschichte der MS „Arkona“ – 2025: Vor 40 Jahren ging die DDR mit ihr auf Kreuzfahrt.
Ein paar weitere Mosaiksteine rund um Kreuzfahrten habe ich hier auf meinen Seiten zusammengetragen.
Über Kreuzfahrtschiffe
Aus dem Leben der „Beringaria“ in den 1920er‑Jahren und über die „Normandie“
„Symphony of the Seas“: Seit 24. März 2018 war sie das größte Kreuzfahrtschiff der Welt.
2024 wurde die „Icon of the Seas“ als das größte Passagierschiff der Welt in Dienst gestellt.
„Allure of the Seas“: Seit 2011 eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt.
„Queen Mary 2“: Über den heute fünftgrößten Luxusliner der Welt.
„Queen Victoria“: Ein Kreuzfahrtschiff der „Cunard Line“.
Tipps und Hinweise
Kreuzfahrten‑ABC: Ein paar hilfreiche Informationen
Smoking, Trinkgeld …: Wichtige Fragen kurz beantwortet
Über Flusskreuzfahrten:
Technisches, Berichte
Monsterwellen: Wie gefährlich kann eine Kreuzfahrt werden?
Was ist ein Pod?: Moderne Antriebs‑ und Lenkungstechnik
Dieselmotor: Wie entsteht ein Dieselmotor für Kreuzfahrtschiffe?
Kurioses
Skurriles US‑Gesetz:
Skurrile Auswirkungen eines amerikanischen Gesetzes auf die Kreuzfahrt
1921 wurde die 1912 vom Stapel gelaufene „Imperator“ der HAPAG von der Cunard Line übernommen und
in „Beringaria“ umbenannt. Cunard setzte sie auf den begehrten Transatlantikrouten ein:
von Liverpool nach New York sowie von Southampton über Cherbourg nach New York.
1938 brannte sie im Hafen von New York aus und wurde anschließend verschrottet.
Mehr über die Geschichte des Schiffes findet sich unter
www.norwayheritage.com.
In den digitalisierten Zeitungsbeständen der Österreichischen Nationalbibliothek fand ich einen
Bericht aus dem Jahr 1927 über eine Transatlantikfahrt von New York nach Europa. Besonders
interessant sind die Bilder: etwa das „Schwimmbad der III. Klasse“ – im Grunde ein großer,
an vier Ecken aufgehängter Sack mit Wasser. Zur Unterhaltung trugen „zauberhafte“
Schiffsoffiziere bei, und Schnurspringen war offenbar sehr beliebt.
Die „Normandie“ (Bild links, aus einer Werbung von 1935) war für ihre Zeit
ein außergewöhnlich großes Schiff: 848 Passagiere in der Ersten Klasse, 670 in der Touristenklasse
und 454 in der Dritten Klasse – insgesamt 1 972 Personen. Damit bot sie ähnlich viel Platz wie
viele heutige Kreuzfahrtschiffe. Auch die Motorleistung war beeindruckend: Die „Normandie“
erreichte bereits 160 000 PS.
Am 9. Februar 1942 kam es während Umbauarbeiten zu einem Truppentransporter im Hafen von New York
zu einem Brand, dem das Schiff zum Opfer fiel. Der Deutschlandfunk veröffentlichte dazu einen
interessanten Beitrag:
Link.
Die 2004 in Dienst gestellte Queen Mary 2 bringt es auf 157 000 PS –
die „Normandie“ hatte schon damals 160 000 PS.
Mit 6 310 Passagieren auf der Harmony of the Seas und 6 370 auf der
Symphony of the Seas haben moderne Kreuzfahrtschiffe inzwischen eine Größe erreicht,
die für viele Menschen bereits an die Grenze des Erträglichen stößt
(Quelle der Daten).
Mein zuletzt persönlich erlebtes Schiff war die „Majesty of the Seas“ mit Platz für etwa
2 300 Passagiere. Schon dieses Schiff war für meine Begriffe riesig – ein Rundgang über alle
Decks dauerte mehr als eine Stunde.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich die Kreuzfahrt stark verändert. Eine Kreuzfahrt ist
heute nicht teurer als viele andere Reisearten. Geblieben ist jedoch das besondere Flair:
Ein Kreuzfahrtschiff ist Hotel und Vergnügungszentrum zugleich – kombiniert mit dem Besuch
fremder Länder, ohne täglich die Koffer packen zu müssen.
Da jährlich so viele neue Kreuzfahrtschiffe in Dienst gestellt werden, kann ich unmöglich alle
vorstellen. Daher konzentriere ich mich hier auf einige Besonderheiten, einzelne Schiffe und
Informationen, die langfristig interessant bleiben. Auf den folgenden Seiten finden Sie
Wissenswertes zum Thema „Kreuzfahrt heute“.
Am Freitag, den 24. März 2018, wurde das damals größte Kreuzfahrtschiff der Welt an die
US‑Reederei Royal Caribbean übergeben. Die „Symphony of the Seas“ wurde von der Werft STX im
französischen Saint‑Nazaire gebaut, hat 228 000 Bruttoregistertonnen, eine Länge von 362 Metern
und eine Breite von 66 Metern. Bis zu 6 370 Passagiere werden von 2 390 Besatzungsmitgliedern
betreut. Das Schiff bietet Restaurants, eine Eislaufbahn, ein Musicaltheater, einen
Surfsimulator, Fitnessstudios und eine 30 Meter lange Riesenrutsche.
Sie löste das 2016 in Betrieb gegangene Schwesternschiff „Harmony of the Seas“ (226 963 BRT)
als bis dahin größtes Kreuzfahrtschiff der Welt ab. Die „Symphony of the Seas“ gehört zur
sogenannten „Oasis Class“. Im Sommer 2018 kreuzte sie in europäischen Gewässern (ab und bis
Barcelona). Im Herbst wurde sie in ihren Heimathafen Miami überstellt und fährt seither
überwiegend in der Karibik.
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Ein Gesetz der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 1920, der „Jones Act“, regelt, welche Häfen
bei Kreuzfahrten in welcher Reihenfolge angelaufen werden dürfen. Nur Schiffe, die unter
amerikanischer Flagge fahren, dürfen Passagiere von einem US‑Hafen A zu einem US‑Hafen B
transportieren. Unter amerikanischer Flagge fahren dürfen jedoch nur Schiffe, die in den USA
gebaut wurden – und derzeit gibt es keine Werft, die große Kreuzfahrtschiffe baut. Damit fallen
praktisch alle Kreuzfahrtschiffe unter die Regelung für ausländische Schiffe.
Ein Schiff muss daher entweder im US‑Hafen A starten, dorthin zurückkehren und darf unterwegs
in keinem anderen US‑Hafen Passagiere ein‑ oder ausschiffen lassen – oder es muss zwischen
Hafen A und Hafen B einen ausländischen Hafen anlaufen. Das ist jedoch nicht immer einfach in
die Route zu integrieren. Bei Verstößen droht eine Strafe von 300 US‑Dollar pro Passagier.
Besonders skurril wird es in der Praxis: Verpasst ein Passagier beispielsweise die Abfahrt in
Miami, darf er im nächsten US‑Hafen nicht wieder zusteigen – außer die Reederei oder er selbst
bezahlt die Strafe. Noch absurder wird es bei medizinischen Notfällen: Muss ein Passagier in
einem anderen Hafen als dem Ausgangshafen von Bord, wird ebenfalls die Strafe fällig.
Dramatische Auswirkungen zeigte das Gesetz beim Hurrikan Harvey Ende August 2017. Vier
Kreuzfahrtschiffe mussten auf andere Häfen als ihren Ausgangshafen Galveston ausweichen. Viele
Passagiere durften jedoch nicht in den Ausweichhäfen Miami oder New Orleans von Bord gehen und
nach Hause fliegen. Sie mussten die Kreuzfahrt bis zum ursprünglichen Starthafen Galveston
fortsetzen – selbst gegen Bezahlung der Strafe war ein Ausschiffen nicht erlaubt, da die
US‑Einreisebehörden sonst ein Einreisevergehen angenommen hätten.
Weitere Details zu diesem ungewöhnlichen Gesetz finden Sie unter:
www.cruisetricks.de
16 Decks, 65 m Höhe, 2 700 Kabinen, 6 318 Gäste bei Vollbelegung und dazu 2 165 Crew‑Mitglieder
aus mehr als 80 Ländern unter der Leitung des damals jüngsten Kapitäns der Royal Caribbean‑Flotte,
Captain Zini aus Argentinien – das waren einige der beeindruckenden Zahlen des 2010 größten
Kreuzfahrtschiffes der Welt.
Es ist kaum möglich, die Vielzahl an Einrichtungen dieses Schiffes in wenigen Absätzen zu
beschreiben: Flanieren im „Central Park“, einer unter freiem Himmel angelegten Parklandschaft
in der Größe eines Fußballfeldes; Action und Sport an vier Pools, zwei FlowRider‑
Surfsimulatoren, einer Zip Line und einer 25 Meter langen Seilrutsche; Unterhaltung
ohne Pause: Im „Jazz on 4“ erlebt man das Musical „Chicago“, im Comedy Club gibt es Shows,
Jazz‑Abende und Disco‑Fever für Tanzfreudige.
Im Vitality at Sea Spa warten Thermalsuite, Saunen, Dampfbäder und 29
Behandlungsräume. Und damit das alles überhaupt schwimmt, sorgen vier Bugstrahlruder mit je
7 500 PS für die nötige Manövrierfähigkeit.
Die „Queen Mary 2“, inzwischen nur mehr das fünftgrößte jemals gebaute
Passagierschiff, nahm 2004 ihren Dienst auf. Nach Angaben der Reederei Cunard, die das Schiff
bauen ließ, kostete die „Queen Mary 2“ rund 870 Mio. Euro. Mit 345 Metern Länge (so lang wie der
Eiffelturm hoch ist) ist sie etwa 50 Meter länger als die „Queen Elizabeth 2“ und 76 Meter länger
als die legendäre „Titanic“. Ihre Gesamthöhe beträgt 72 Meter (61 Meter über Wasser) – höher als
die Freiheitsstatue in New York oder das Kolosseum in Rom.
An Bord finden 2 620 Passagiere in 1 310 Kabinen Platz (alle mit Internetanschluss). Einige
Luxussuiten bieten bis zu 111 m² Fläche. 1 254 Besatzungsmitglieder sorgen für den Betrieb des
Schiffes, das eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Knoten (rund 56 km/h) erreicht. Zur Ausstattung
gehören zehn Restaurants, fünf Schwimmbäder, eine eigene Brauerei und sogar ein Planetarium.
Angetrieben wird die „Queen Mary 2“ von vier sogenannten Mermaid‑Pods von
Rolls‑Royce, die zusammen 157 000 PS leisten – genug, um theoretisch die gesamte Stadt
Southampton mit ihren rund 200 000 Einwohnern mit Strom zu versorgen.
Einige weitere beeindruckende Zahlen: 300 000 Stahlplatten mit einem Gesamtgewicht von
52 000 Tonnen wurden verbaut; 2 500 km Kabel und 500 km Rohrleitungen verlegt; und ein
90 000‑teiliges Wedgewood‑Waterford‑Porzellanservice angeschafft.
Das Schiffshorn – das Original der ersten „Queen Mary“ – wiegt über eine halbe Tonne und ist
noch in 18 Kilometern Entfernung zu hören.
mehr Infos
Die 2007 in Dienst gestellte Queen Victoria (Bildquelle: Cunard Line) ist nach der
britischen Königin benannt, die das Empire von 1837 bis 1901 regierte. Das Schiff ist 294 Meter
lang und bietet auf 12 Decks Platz für 2 014 Passagiere.
* Royal Court Theatre:
Im Stil des 19. Jahrhunderts gestaltet, bietet es 830 Gästen Platz, darunter 16 Privatlogen.
* Bibliothek:
Über zwei Stockwerke mit rund 6 000 Büchern.
* Cunardia Museum:
Präsentiert 165 Jahre Cunard‑Geschichte an Bord.
* Royal Spa:
Mit Fitness‑Center, drei Pools und vier Freiluft‑Jacuzzi‑Pools.
* Royal Arcade:
Im Stil berühmter Londoner Einkaufspassagen gestaltet.
„Pod“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Hülse oder Schale.
Im modernen Kreuzfahrtschiffbau bezeichnet man damit Antriebsgondeln am Heck eines Schiffes, in
denen sich Elektromotoren befinden. Diese Motoren übertragen ihre Kraft direkt über die
Motorwelle auf den Propeller. Jeder Pod lässt sich um 360 Grad drehen und sogar neigen. Dadurch
wird ein Schiff auch ohne klassisches Ruder vollständig manövrierfähig. Die Möglichkeit, sich
praktisch auf der Stelle zu drehen, erlaubt es pod‑gesteuerten Schiffen, selbst enge Häfen
problemlos anzulaufen. Zusätzlich kann diese Technik den Treibstoffverbrauch um bis zu zehn
Prozent reduzieren.
Bei der „Norwegian Jewel“, die in der Meyer Werft in Papenburg (Deutschland) gebaut wurde,
kommen Pods mit fünf Propellerflügeln zum Einsatz. Jeder der beiden Pods wiegt rund 170 Tonnen,
leistet 28 000 PS, ist etwa acht Meter hoch und rund zwölf Meter lang.
Wie entsteht ein Dieselmotor für solch ein Kreuzfahrtschiff?
Nehmen wir als Beispiel den Motor der „Norwegian Jewel“: Er wog am Ende der Montage rund
240 Tonnen und kostete im Jahr 2004 etwa 600 000 Euro. Gefertigt wurde er im MAN‑Werk in
Augsburg (Deutschland).
Der Motorblock musste nach dem Guss 90 Tage in einer Sandgrube auskühlen. Der Rohling selbst
wog zunächst 90 Tonnen und wurde in nur 96 Sekunden ausgegossen. Von 1 350 Grad wurde der Block
auf etwa 350 Grad heruntergekühlt, bevor der auf dem Kopf stehende 16‑Zylinder‑Eisenkern
vorsichtig mit einem Kran herausgehoben wurde. Anschließend wurde das Gehäuse für den
20 000‑PS‑Motor bearbeitet und zur Endmontage weitergeleitet.
Insgesamt entstanden fünf Motorblöcke für die „Norwegian Jewel“.