Eugen Roth (* 1895: † 1972), deutscher humoristischer Lyriker
Auf meinen Seiten finden Sie Beiträge zu folgenden Themen:
Informativ:
Rund ums Fliegen :::
Kleines Flug‑ABC :::
Beispiel einer Konfiguration (Sitzplatzeinteilung) eines Flugzeugs :::
Kurioses :::
Interessantes :::
Kurzinformationen
Nostalgisch:
Was stand auf einem Papier‑Ticket?
Brisant:
Schädliche Dämpfe aus Triebwerken in der Kabinenluft
Weiblich:
Frauen in der Luftfahrt – einst und heute
Falsch ist beispielsweise die Annahme, das Rumpeln kurz vor der Landung sei das
„Einlegen des Retourgangs“. Richtig ist, dass dieses deutlich hörbare Rumpeln vom
Ausfahren des Fahrwerks stammt, das mechanisch einrastet.
Falsch ist auch, dass der Pilot die Landebahn „nicht gefunden“ hätte, wenn er im
Endanflug wieder Schub gibt. Richtig ist: Beim Absinken darf die Geschwindigkeit
nicht unter eine bestimmte Grenze fallen. Wird sie zu niedrig, muss der Pilot Schub geben, um die
vorgeschriebene Landegeschwindigkeit zu halten. Seitenwind kann ebenfalls Schubkorrekturen
erforderlich machen.
Falsch ist, dass ein hartes Aufsetzen auf der Piste auf einen unfähigen Kapitän
schließen lässt.
Richtig ist: Bei nasser oder schlechter Witterung muss das Flugzeug bewusst
fester aufsetzen, damit die Räder sicher Bodenkontakt bekommen und kein Wasserfilm zwischen
Reifen und Asphalt entsteht, der zu Aquaplaning führen könnte.
In den 2000er‑Jahren meldete sich nach einer meiner Veröffentlichungen ein Experte,
Klaus‑Dieter Nowakowski, der mir freundlicherweise zusätzliche Details zur
Verfügung stellte. Diese habe ich – kursiv gekennzeichnet – in diesen Beitrag integriert.
Vielen Dank, Dieter! Deine Hinweise waren eine echte Bereicherung.
Das „Gewusst‑wie“ beim Fliegen ist Ihnen wahrscheinlich vertraut. Doch manche Geräusche an Bord
bleiben rätselhaft. Nachfolgend einige weitere Erläuterungen zu Geräuschen und Abläufen beim
Start und bei der Landung:
Vor dem Anlassen der Triebwerke sieht man vorne seitlich einen Mitarbeiter stehen, der
Blickkontakt mit dem Cockpit hält. Diese Person ist äußerst wichtig: Sie kontrolliert die
korrekte Drehrichtung der Turbinenschaufeln.
Eine Turbine wird mit Druckluft gestartet und kann ihre Drehrichtung nicht selbst bestimmen.
Auf dem Rotorkopf ist daher eine Spirale aufgemalt. An ihr erkennt der Mitarbeiter die richtige
Drehrichtung und gibt den Piloten das OK‑Signal. Sobald die Zündung einsetzt, hört man einen
dumpfen Ton, gefolgt von einem zunehmenden Brummen.
Triebwerke werden immer von links außen nach rechts außen gestartet – und nur mit Freigabe des
Towers. An der Rampe oder am Fluggaststeig dürfen Turbinen nicht gestartet werden. Deshalb wird
das Flugzeug zunächst von einem Fahrzeug rückwärts auf den Rollweg geschoben, bevor die
Startfreigabe für die Triebwerke erfolgt. Dieser Vorgang heißt Pushback.
Theoretisch könnte ein Flugzeug durch Einschalten der Schubumkehr auch rückwärts rollen. Das ist
jedoch verboten. (Hinweis von Klaus‑Dieter Nowakowski)
Während Ihnen das Kabinenpersonal die Sicherheitsbestimmungen erklärt (international vorgeschrieben), ersucht der Pilot über Funk den Tower um Startfreigabe. Nach der Freigabe hört man häufig eine kurze Durchsage in Englisch: „Cabin crew: take off in one minute“ („Kabinenpersonal: Start in einer Minute“). Danach werden alle nicht notwendigen Lichter und elektrischen Geräte an Bord ausgeschaltet, um bei einem möglichen Startabbruch keine zusätzlichen Gefahrenquellen zu haben.
Bevor das Flugzeug nach der Startfreigabe beschleunigt, wird das Dröhnen der Triebwerke im
Stand lauter. Der Grund: Um möglichst rasch die zum Abheben notwendige Geschwindigkeit zu
erreichen, wird der Schub bereits im Stillstand erhöht. Sobald die Bremsen gelöst werden,
kann die Maschine auf kürzerer Distanz sicher abheben.
Die Piloten behalten währenddessen ständig die Instrumente im Blick. Manchmal sitzt
auch eine dritte Person im Cockpit, etwa ein Navigator oder Techniker. Treten bis zu einer
bestimmten Geschwindigkeit Unregelmäßigkeiten auf, kann der Start noch abgebrochen werden.
Ist dieser Punkt überschritten, muss das Flugzeug abheben, eine Platzrunde fliegen und dann
zu einer „Sicherheitslandung“ ansetzen. Viele Passagiere halten das fälschlicherweise für eine
„Notlandung“ – was es nicht ist.
Beim Start gibt es zwei entscheidende Geschwindigkeiten:
V1 – bis zu diesem Punkt kann der Start noch sicher abgebrochen werden.
V2 – der „point of no return“: Ab hier muss das Flugzeug abheben.
(Hinweis von Klaus‑Dieter Nowakowski)
Unmittelbar nach dem Abheben werden die Räder eingefahren, was oft von einem Rumpeln begleitet
wird. Dieses Geräusch entsteht durch das Schließen der Klappen des Fahrwerksschachts.
Wenn Sie über den Tragflächen sitzen, sehen Sie nach dem Start, wie eine Stahlleiste
hinter den Flügeln in diese zurückgezogen wird. Das sind die sogenannten „Flaps“, die beim
Start zusätzlichen Auftrieb erzeugen. Im Landeanflug werden sie wieder ausgefahren.
Wird das Triebwerksgeräusch leiser, hat das Flugzeug die erste Etappe des Steigfluges
erreicht. Der Steigwinkel beträgt dabei meist zwischen zehn und 20 Grad. In der endgültigen
Reiseflughöhe – zwischen 8 000 und 10 000 Metern – fliegt die Maschine nahezu waagrecht, das
Triebwerksgeräusch wird ruhiger und gleichmäßiger. Sie dürfen sich abschnallen, dennoch
empfiehlt es sich, während des gesamten Fluges angeschnallt zu bleiben. Turbulenzen oder
unerwartete Luftlöcher können jederzeit auftreten.
Während der Reiseflugphase schaltet der Pilot den Autopiloten ein. Das Flugzeug folgt nun
automatisch den vorgegebenen „Luftstraßen“. Manchmal spürt man eine leichte Neigung in der
Kurve – dann wird ein neuer Wegpunkt erreicht und die Maschine nimmt die nächste Route.
Erscheint plötzlich das Schild „Bitte Anschnallen“ und erfolgt eine entsprechende
Durchsage, liegt das meist an unruhigen Luftmassen. Der Pilot erkennt Schlechtwetterzonen auf
dem Wetterradar und erhält zusätzlich Informationen von den Lotsen.
Beginnt das Flugzeug zu wackeln, ist das kein Grund zur Sorge. Die Flügelspitzen
können sich mehrere Meter nach oben und unten biegen, ohne Schaden zu nehmen. Solange die
Maschine mit normaler Geschwindigkeit fliegt, liegt sie stabil wie auf einem Luftpolster.
Besonders unangenehm können thermisch bedingte Auf- und Fallwinde sein
(Hinweis von Klaus‑Dieter Nowakowski). Gerät ein Flugzeug in solche Luftmassen, kann es
mehrere Hundert Meter absacken und anschließend wieder „aufgefedert“ werden. Ohne Gurt kann man
dabei an die Kabinendecke geschleudert werden – daher die Empfehlung, während des gesamten
Fluges angeschnallt zu bleiben.
Ich selbst habe solche extremen Auf‑ und Abwinde noch nicht erlebt. Eine meiner
Reisegruppen jedoch erfuhr dies auf einem Swissair‑Flug von Neu‑Delhi nach Zürich – zum Glück
ohne ernsthafte Verletzungen.
Nach dem Essen, Trinken oder einem kurzen Nickerchen nähert man sich bereits dem Ziel. Die
Triebwerke verändern ihre Drehzahl – der Sinkflug beginnt, meist etwa 20 Minuten vor der
Landung. Ein Signal ertönt, das Zeichen „fasten seat belt“ leuchtet auf: bitte anschnallen!
Sie spüren nun deutlich das Absinken. Die Ohren verschlagen sich wieder. Fliegt der
Pilot einen etwas steileren Sinkflug, fühlt man sich kurz leicht angehoben.
Wenige Minuten vor dem Aufsetzen werden die Landeklappen ausgefahren. Der Pilot gibt nun
abwechselnd Schub und nimmt ihn wieder zurück. Das ist notwendig, weil das Flugzeug durch den
Sinkwinkel Geschwindigkeit verliert, aber eine Mindestgeschwindigkeit eingehalten werden muss.
Das Rumpeln beim Ausfahren oder Einfahren des Fahrwerks stammt vom Arretieren der
Fahrwerksschachtklappen (gear bay). Das Fahrwerk selbst erzeugt nur ein kurzes „Klack“.
Durch Änderungen des Anflugwinkels steigt die Geschwindigkeit – der Pilot reduziert
dann den Schub. Auch beim Ausfahren der Flaps, Vorflügelklappen (Nasenflaps) und des Fahrwerks
ist eine Schubregulierung notwendig. Das Surren im Endanflug stammt von den Klappenmotoren,
nicht vom Fahrwerk, das hydraulisch betätigt wird.
Die Flaps vergrößern die effektive Flügelfläche und erhöhen den Auftrieb.
Dadurch kann die Geschwindigkeit bei gleicher Höhe reduziert werden.
Die Landegeschwindigkeit ist meist etwas höher als die Startgeschwindigkeit. Diese
errechnet sich aus dem Startgewicht und den flugzeugtypischen Eigenschaften. Die Auftriebsfläche
steht in einem festen Verhältnis zum maximalen Start‑ und Landegewicht. Die Leistungsstufen der
Fans (Turbinen) beeinflussen eher die Startstrecke.
Die Tragflächen werden nicht „hochgedrückt“, sondern hochgesogen – die
Strömungsgeschwindigkeit ist an der Oberseite höher als an der Unterseite.
Weitere Informationen finden Sie auf
www.airliners.net.
Bei nasser Piste oder starkem Seitenwind muss der Pilot das Flugzeug bewusst härter
aufsetzen. Ein kräftiges Aufsetzen ist daher keine schlechte Landung, sondern eine
Sicherheitslandung.
Und keine Sorge, wenn sich das Flugzeug im Endanflug leicht schräg zur Landebahn
bewegt – das ist bei Seitenwind normal. Erst wenige Meter über dem Boden wird die Maschine
„geradegestellt“.
Nach dem Aufsetzen rollen die Räder bereits, wenn plötzlich die Triebwerke aufheulen. Das ist
die aktivierte Schubumkehr: Ein Teil des Luftstroms wird nach vorne umgelenkt und bremst das
Flugzeug von etwa 330 km/h auf Schrittgeschwindigkeit ab. Sie werden dabei spürbar in den Sitz
gedrückt.
Die Landegeschwindigkeit beträgt je nach Gewicht etwa 280–330 km/h
(Hinweis von Klaus‑Dieter Nowakowski). Die Reifen werden dabei in Sekundenbruchteilen von
0 auf Landegeschwindigkeit beschleunigt – die blau‑grauen Rauchwolken sind normal. Flugzeugreifen
sind Spezialreifen und können sogar mehrfach runderneuert werden.
Die Schubumkehr ist die wichtigste Bremse direkt nach dem Aufsetzen
(touch down). In dieser Phase ist das Bugrad noch nicht steuerbar und bleibt in
Nullstellung arretiert. Erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit greift die Bugradsteuerung.
Würde der Pilot nur mit den Scheibenbremsen bremsen, würden diese rasch überhitzen.
Zur Klarstellung: Die Turbinen drücken den Schub nicht direkt nach vorne. Dazu müssten sie
ihre Drehrichtung ändern – das ist unmöglich. Bei der Schubumkehr öffnen sich seitlich große
Schiebeklappen, hinter denen Umlenkgitter den Mantelstrom schräg nach vorne leiten. Nur der
Mantelstrom wird umgelenkt, nicht der heiße Kernstrom aus der Brennkammer.
Der Mantelstrom umströmt die Brennkammern und kühlt sie. Moderne Triebwerke haben ein
Verhältnis Kernstrom zu Mantelstrom von etwa 1:4 bis 1:6, je nach Anzahl der
Kompressionsstufen.
(Klaus‑Dieter Nowakowski)
Hier ist eine Boeing 747‑400 der japanischen Fluggesellschaft ANA abgebildet; diese Maschine
ist mit vier Klassen und insgesamt 287 Sitzplätzen
konfiguriert.
rot – First Class mit Schlafsesseln, die sich 180 Grad neigen lassen, also
vollständig flach gestellt werden können (10 Plätze).
blau – „Club ANA“ Class, teilweise auch im
Oberdeck, wo sich auch der Eingang zum Cockpit befindet (75 Plätze, Sesselneigung 170 Grad).
schwarz – Premium‑Economy‑Class mit
20 Plätzen und einer Sesselneigung von 130 Grad.
grün – Economy Class mit 182 Plätzen,
deren Sessel bis zu 124 Grad geneigt werden können.