Unterwegs in der Tuscia – Erlebtes rund um den Bolsena‑See
Tuscia ist die alte geographische Bezeichnung für ein Gebiet zwischen Umbrien, der Südtoskana und dem Bracciano‑See – dem ehemaligen Südetrurien. Es war das Kernsiedlungsgebiet der Etrusker, der „Urbevölkerung“ Mittelitaliens.
Diese Landschaft Mittelitaliens zählt zu meinen Lieblingsgebieten Italiens. Wann immer ich eine Möglichkeit habe, dorthin zu reisen, nehme ich diese Gelegenheit gerne wahr.
Da die Orte im Bereich von einer bis maximal eineinhalb Fahrstunden vom Bolsena‑See entfernt sind, wohne ich natürlich gerne in Bolsena. Das angenehme Klima – auch in den Wintermonaten –, die noch moderaten Preise und die herrliche Landschaft ziehen mich einfach immer wieder an den Bolsena‑See. Nicht zu vergessen die geschichtlichen Sehenswürdigkeiten.
Aber hier möchte ich von Orten und Dingen berichten, die ich bei meinem letzten Aufenthalt sah und erlebte. Bitte um etwas Geduld, bis alle Artikel „stehen“, denn nicht immer bin ich in Schreiberlaune.
Hier meine bisher geschriebenen und geplanten Beiträge:
→ Rund um den Bolsena‑See
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→ Festa dei Pugnaloni in Acquapendente
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→ Öliges – die Geschichte vom Olivenöl
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→ Südseestatue und Blumenzauber in Vitorchiano
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→ Klösterliches Hotelleben in Vitorchiano
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→ Künstlerisches am Land im Latium
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→ Dort, wo die Romantik und Kekse zu Hause sind:
Agriturismo am Lago di Vico
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→ Torre Alfina – Pugnaloni und Urlaub
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→ Nur die Wurst hat zwei Enden – in der Tuscia schien mir, hat die Wurst aber gar keines
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Eindrücke einer Rundreise im November 2006
Vor den Toren des kleinen Ortes Vitorchiano, etwa 10 km nordöstlich von Viterbo, gibt es jedes Jahr im April und Mai ein farbenfrohes Spektakel: Im Centro Botanico Moutan blüht es auf allen Feldern und in allen Hallen – und der Eintritt ist sogar gratis.
Am Hauptplatz des Ortes hat eine Maori-Künstlergruppe ein nun wirklich absolut fremdländisch wirkendes Objekt gemeißelt und zurückgelassen. Die Skulptur erinnert an die Steinriesen auf der Osterinsel im Pazifik. Bild unten zum Vergrößern anklicken – der Mann mit rotem Anorak: Peter Krackowizer. Bild: Copyright Thomas Mosebach.
Nur wenige Schritte weiter befindet man sich bereits im kleinen Altstadtkern. Die einsetzende Dunkelheit bei meinem Besuch im November verlieh den alten Gemäuern einen besonderen Flair. Und ich bog um eine Ecke …
… und ein freundlich lächelnder Herr erwartete mich bereits. Hinter diesem unscheinbaren Eingang verbirgt sich nämlich in den Gemäuern eines ehemaligen Klosters ein 4‑Sterne‑Hotel, die „Locanda Sant’Agnese“. Durch den Innenhof gelangt man hinunter in die Weinbar des Hauses, wo uns sanfte Jazz‑Hintergrundmusik empfing. Wer Lust hat, kann noch tiefer in den alten Weinkeller hinuntersteigen und edle Tropfen bewundern – hinter Eisengittern versteht sich.
Während meiner November‑Reise durch die Tuscia schien es mir, als gäbe es im nördlichen Latium nur Würste – fette Würste: Würste mittags, Würste abends. Hier ein kleiner Bilderbogen dieser durchaus schmackhaften Nahrung, allerdings auch nur dann, wenn sie in Maßen genossen wird.
Bei so einem Workshop lernt man mitunter recht interessante Menschen oder Produkte kennen. So ist es mir auch im November 2006 wieder ergangen: Einen halben Tag saß ich im eiskalten Rittersaal der „Rocca di Papi“ – der Papstfestung in Montefiascone – und einen halben Tag in den wohlig beheizten Stallungen der Villa Farnese in Caprarola und wartete dort auf touristische Angebote.
Bevor ich auf die künstlerischen Momente eingehe, möchte ich noch die fünf munteren, durchaus feschen Damen erwähnen, die tatsächlich am ersten Tag zu viert und am zweiten Tag zu fünft von Tisch zu Tisch gingen und ihr Agriturismo vorstellten: „Buonumore“ – so heißt ihr Agriturismo, was übersetzt so viel wie „gute Laune“ bedeutet. Und genau die brachten diese Mädels auch wirklich mit! Wer also einmal die Via Cassia von Acquapendente nach Siena entlangfährt, sollte bei den humorvollen Fünfen vorbeischauen. Den Link habe ich so eingestellt, dass man beim Hinunterscrollen auf der Seite gleich die fünf Damen sieht.
Doch nun zu den „künstlerischen“ Entdeckungen:
Eine knallrote Informationsmappe mit Siegel in den Händen, er um die 60, sie
über 50 – beide Jazz-Fanatiker. Ihr „Häuschen“: die Villa Antonelli bei Caprarola.
Livia Minno und Sandro Antonelli hatten bereits die eine oder andere Jazz-Größe in
ihrer Villa zu Gast. Wer gerne einmal in der Villa residieren und über Jazz plaudern
möchte, sollte allerdings ein wenig Kleingeld mitbringen: Ab 5.000 Euro pro Woche i
st man im Doppelzimmer dabei.
Wer es erschwinglicher und dennoch künstlerisch haben möchte, kann bei der Azienda Agrobiologica von Maurizio und Petra Rocchi vorbeischauen. Wohnen kann man dort zwar nicht, doch der Wein ist absolut biologisch hergestellt. Maurizio ist außerdem Künstler und bietet gelegentlich (auf Vorbestellung) auch Theateraufführungen auf seiner Azienda an. Jedes Jahr entwirft er neue Etiketten für seine Weine. Im Bild unten links ein Beispiel seiner Weine, rechts ein Interview mit RAI Italia in den Stallungen des Palazzo Farnese in Caprarola (November 2006). Eine Internetseite gibt es leider noch nicht – aber schreiben kann man ihm: artwine[at]tin[dot]it.
Am Vico See, dort wo die Romantik zu Hause ist
So etwas wie einen „Geheimtipp“ habe ich am Lago di Vico entdeckt. Er liegt am kleinen Vulkansee Vico, nicht weit von Viterbo in Richtung Rom. Keine 70 Kilometer sind es bis ins Zentrum von Rom auf der Via Cassia – und dennoch ist man hier völlig in der Einöde und romantisch gelegen.
Ich spreche von der Agriturismo La Vita. Wer nicht schon von den Aufnahmen auf der Homepage Appetit bekommen hat, für den habe ich hier noch ein paar „lange-Zunge-machen“-Bilder. Die Agriturismo ist übrigens bekannt für ihre sehr, sehr, sehr guten Süßspeisen und Kekse – daher Vorsicht im Verkaufsraum! Dort stehen kiloweise Versuchungen herum.
Torre Alfina – Pugnaloni und Urlaub
Wir fuhren durch den kleinen Ort Acquapendente. Ob es dort etwas zu sehen gäbe, fragten wir unsere Führerin. „No, no, nichts wirklich Interessantes, nur eine uralte Krypta in der Kirche und Pugnaloni.“
Von links nach rechts: Nebenraum in der Krypta, Detail eines Pugnaloni, ein ganzes Pugnaloni (den Petersdom in Rom darstellend).
Aha, „nur“ … Fast eine Stunde bestaunten wir dann diese Bilder aus Blütenblättern und die absolut sehenswerte Krypta, die aus mehreren Räumen besteht. „Nichts wirklich Interessantes.“ Man sollte sich doch nie auf die Einheimischen verlassen.
Ein paar Kilometer außerhalb von Acquapendente ragt eine mächtige Festung aus der Landschaft empor: Torre Alfina.
Am Vorabend hatten wir diese Festung bereits bei fast gespenstischer Beleuchtung erlebt, als wir in Torre Alfina Abendessen waren. Heute besuchten wir die Agriturismo Belvedere – „schöner Blick, Ausblick“. Und genau so präsentiert sich diese Agriturismo auch: ein heller, moderner und dennoch gemütlich wirkender Zentralbau mit Restaurant. Gleich daneben befinden sich die ganz neuen Appartements. Das erste davon war sofort ein Fall zum Verlieben.
Doch auf dem weitläufigen Gelände gibt es noch weitere Wohneinheiten – unten ein paar Fotos.