Urbino – Palazzo Ducale und Dom, Marken, Italien

Kunstführer und Theaterbücher über Italien

Die Übersicht über meine Literatur- und Buchtipps für Italien finden Sie …hier, die gesamte Literaturübersicht über Reisen, Reiserecht und Motorveteranen finden Sie …hier.

Kunstführer & Theater
Viva Verdi, ein biografischer Opernführer 2012
Die singenden Steine von Monreale 2012
Sizilien – DuMont Kunst-Reiseführer 2011
Rom – DuMont Kunst-Reiseführer 2011
Umbrien – DuMont Kunst-Reiseführer 2011
Friaul und Triest – DuMont Kunst-Reiseführer 2011
Freigang eines Photographen
Latium – DuMont Kunst-Reiseführer 1997


Viva Verdi – ein biografischer Opernführer
Viva Verdi – ein biografischer Opernführer

Schwerpunkt: ausführliche Opernbeschreibungen und ‑analysen mit viel Biografischem

Viva Verdi, ein biografischer Opernführer

Autor: Georg Titscher; erschienen 2012 im Amalthea Signum Verlag, Wien; ISBN 978‑3‑85002‑801‑1

2013 feierte Italien den 200. Geburtstag von Giuseppe Fortunato Francesco Verdi.
Dr. Georg Titscher, Facharzt und Psychotherapeut, beschäftigt sich seit Langem mit dem Musiktheater und schreibt analytische Interpretationen von Opern.

Was bedeutet das für den Leser dieses Buches?
Titscher beschreibt 28 Opern von Verdi spannend und informativ.
Zunächst gibt er die „technischen“ Daten jeder Oper: den deutschen Titel, den Librettisten und die Originalsprache, Datum und Ort der Uraufführung, Ort und Zeit der Handlung sowie die Personen und Sängerinnen und Sänger der Uraufführung.
Dann folgt eine gut verständliche Inhaltsbeschreibung.

Besonders interessant wird es im Anschluss:
Titscher geht der Entstehungsgeschichte nach und liefert meist mehrseitige Kommentare zu jeder Oper. Dabei fließt viel aus Verdis Leben ein – etwa Zitate aus Briefen oder persönliche Erinnerungen.
So versteht der Leser besser, weshalb Verdi eine Oper komponierte und in welchem geschichtlich‑sozialen Umfeld sie entstand.
Als letztes Kapitel jeder Oper folgt eine Interpretation und Analyse aus dem Blickwinkel eines Psychotherapeuten.

Beim Lesen stößt man immer wieder auf Bemerkenswertes.
So erzählt Titscher etwa bei „Nabucco“, wie Verdi beim Lesen des Manuskripts des Verses „Va, pensiero, sull’ali dorate“ (Zieh, Gedanke, auf goldenen Flügeln) tief berührt wurde.
„Nabucco“ brachte Verdi den Durchbruch als Opernkomponist.

In seinen Interpretationen erkennt Titscher immer wieder grundlegende Konflikte:
Vater–Sohn‑Beziehungen, die Zerrissenheit zwischen Mutterliebe und Sohnesliebe (z. B. im „Troubadour“). Zu „Macbeth“ meint Titscher, es sei „ein fantastischer Stoff mit Hexen, Geistern und übernatürlichen Erscheinungen … aber vor allem eine Tragödie der Abgründe der menschlichen Seele, ein Psychogramm pathologischer Persönlichkeiten“.
In „I due Foscari“ steht der Gewissenskonflikt des Dogen im Mittelpunkt, der zwischen Vaterliebe und Amtspflicht aufgerieben wird.

Es würde hier zu weit führen, alles zu erwähnen, was dieses Buch an interessanten Informationen bietet. 287 Seiten für 28 Opern ergeben im Schnitt rund zehn Seiten je Oper.
Auf weiteren etwa 60 Seiten liest man biografische Daten Verdis (linke Spalte) und parallel dazu, was zeitgleich musikalisch und historisch geschah (rechte Spalte).
Beispiel: 1832, als Verdi vom Konservatorium in Mailand abgelehnt wird, stirbt Goethe. Diese biografischen Daten umfassen elf Seiten.
Es folgen ein umfangreiches Literaturverzeichnis (neun Seiten), ein Personenverzeichnis (13 Seiten) und eine Diskografie (14 Seiten).
Ganz am Ende steht ein mehrseitiges Namens‑ und Sachregister.

Zusammen mit zahlreichen historischen Bildern ist dieses Buch eine fundierte Biografie des wohl populärsten italienischen Komponisten.
Es bietet auch seelische Einblicke in das nicht einfache Leben des Künstlers (z. B. starben innerhalb von zwei Jahren seine beiden Kinder und seine erste Frau – Verdi war erst 27). Mich beeindruckt dieses Buch.


Ein interessantes Fachbuch über die Geheimnisse romanischer Kreuzgänge

Die singenden Steine von Monreale
Über die Geheimnisse des sizilianischen Kreuzgangs

Autor: Rainer Straub; erschienen 2012 im Verlag Anton Pustet, Salzburg; ISBN 978‑3‑7025‑0678‑0

Soll ich wirklich ein Buch über „Steine“ lesen?
Ich habe es nicht bereut, wenngleich ich zugebe, dass ich beim ersten Lesen einige Teile nur überflogen habe. Straub hat das Buch sehr klug aufgebaut: In seiner Einleitung erklärt er seine Leidenschaft für die Romanik und schreibt über die „versteckten“ Programme in Kreuzgängen jener Zeit.
Im eigentlichen Buch unternimmt er eine Reise mit einem jungen Mann nach Monreale bei Palermo.
Mit diesem führt er einen Dialog – und genau diese gewählte Dialogform ist genial, vor allem für Laien.
Während der eine erklärt, stellt der andere Fragen und äußert Vermutungen – meist genau jene, die dem Leser gerade durch den Kopf gehen.

Zum Inhalt:
Im ersten Kapitel gehen die beiden der Frage nach, warum das Kloster gerade in Monreale steht und wie der Kreuzgang entstanden ist.
Welche Überlegungen könnten bei der Planung der Säulengänge eine Rolle gespielt haben? Dabei werden auch Zitate anderer Forscher eingeflochten.

Weiter geht es mit der Frage, was ein Kapitell ist und warum es in Monreale Sitz der Zeichen ist – welcher Zeichen?
Es folgt ein Kapitel, das mich persönlich sehr fasziniert: die Zahlensymbolik.
Es ist unglaublich, was Straub hier herausgefunden hat.
Die Maße des Kreuzgangs, die Anzahl der Säulen, die Verschlüsselung des Weihedatums – hinter allem steckt eine Zahlenlogik oder ein antikes Maßsystem.
Straub erläutert die Zusammenhänge zwischen magischen Zahlen und den Psalmen.
Er fand auch heraus, dass im Kreuzgang die acht Seligpreisungen abgebildet sind.

Überhaupt fand Straub ein einheitliches Programm, das im Aufbau und in der Ausstattung der Säulen verschlüsselt ist.
Er geht davon aus, dass in der Romanik keine Figurengestaltung dem Zufall überlassen wurde, dass der Abt seinen Mönchen bei ihren Gebetsgängen Zeichen vor Augen führen wollte, die Sinn ergeben.
Straub zeigt, dass die Säulenfiguren auch eine Meditation des 119. Psalms darstellen.
Im Buch sieht das so aus:
z. B. Kapitell 58 – Vers 103/104 (mit vollständigem Wortlaut) und Straubs Erklärung dazu.
Daneben findet sich in einer eigenen Spalte ein Hinweis, auf welcher Seite die Abbildung dieses Kapitells zu finden ist.
Diese Schwarzweißbilder der Kapitelle faszinieren mich.
Man stelle sich das 12. Jahrhundert vor – und dann diese fein gearbeiteten Figuren und Ausdrucksformen!
Durch die Erklärungen wird alles noch lebendiger – Interesse vorausgesetzt.

Ein Kapitel habe ich nicht ganz verstanden, zumindest nicht beim ersten Lesen:
jenes über die Kapitelle und ihre Tonsymbole.
Jedes Kapitell hat ein Tonzeichen, alle zusammen ergeben einen Choral, der dem Buch als CD beiliegt.
Straub beschreibt jeden Ton, etwa: 104. Kapitell – Ton „f“, angezeigt durch den Lukaslöwen.
Wie der Löwe den Ton anzeigt, habe ich allerdings (noch) nicht verstanden.

Macht nichts – das Buch ist so voll von romanischen Geheimnissen und ihren Erklärungen, dass es allemal lesenswert ist, Interesse vorausgesetzt.
Ein Reiseführer ist es nicht, und auch kein Roman.
Einziger Kritikpunkt meinerseits ist der Satzspiegel:
Relativ großer Zeilenabstand und Text bis knapp an den Rand (oben, unten, links, rechts) lassen die Seiten etwas unruhig wirken.
Die Schriftart und ‑größe hingegen sind angenehm zu lesen.


Der Völker- und Kulturen-Mischtiegel „Sizilien“ wird interessant und mit guten Bildern dargestellt

Autorin: Svenja Laufhütte; erschienen als 6. Auflage 2011 im DuMont‑Verlag; ISBN 978‑3770143856

Mir liegt die 6., von Svenja Laufhütte aktualisierte Auflage vor.
Frau Laufhütte lebt und arbeitet seit 2006 auf Sizilien als Übersetzerin und freie Kunsthistorikerin.

Die Liparischen Inseln, auch Äolische Inseln nach dem Windgott Aiolos genannt, deren es sieben gibt – darunter Stromboli, ein aktiver Vulkan – werden auf zwölf Seiten beschrieben.
Wer den Dom von Monreale nicht gesehen hat, hat Palermo nicht gesehen, sagt man.
Elf Seiten widmet die ursprüngliche Autorin, Brigit Carnabuci, die seit den 1950er‑Jahren auf Sizilien lebt, alleine diesem bedeutenden Kunstwerk im arabisch‑normannischen Stil.
Zwei Beispiele für die Ausführlichkeit der Beiträge in diesem Buch.

Araber, Normannen, Griechen, Staufer, Anjou und andere Völker prägten diese Mittelmeerinsel.
Entsprechend vielfältig ist das kunstgeschichtliche und historische Angebot in diesem DuMont‑Führer.
Allein die geschichtlichen Einführungen zu den prägenden Völkern umfassen 53 Seiten.
Bemerkenswert ist der weitverbreitete Barock auf der Insel.
Das Kapitel „Um den Ätna“ bietet nicht nur Informationen über Kunstschätze, sondern auch einen guten Überblick über den Vulkan selbst.

Darüber hinaus erfährt der Leser von etlichen „Kleinigkeiten“ wie dem hippodamischen Straßensystem oder der normannischen Basilianerkirche SS. Pietro e Paolo bei Casalvecchio Siculo mit ihren ineinander verschränkten Blendbogenarkaden.
Natürlich beschreibt Frau Carnabuci ausführlich die „Villa del Casale“ bei Piazza Armerina, einen luxuriösen Landsitz um 300 n. Chr., sowie die Tempelanlagen von Agrigent, Selinunt und Segesta. Auch ein Ausflug auf das Inselchen Mozia vor Marsala, ein phönizischer Handelsstützpunkt, wird auf fünf Seiten dargestellt.

Ein Besuch in Erice oberhalb von Tràpani beim Heiligtum der ältesten Göttin des Mittelmeergebiets (Aphrodite bzw. Astarte) bietet nicht nur Kultur, sondern bei schönem Wetter auch einen herrlichen Ausblick über die Küste und ihre Salzfelder bis zu den Ägadischen Inseln, die ebenfalls beschrieben werden.
Interessant sind auch die Ausführungen zu Palermo mit seinen byzantinisch beeinflussten Mosaiken in Kirchen und Palästen sowie zum normannischen Dom mit den staufischen Kaisergräbern.

Ich habe jetzt nicht alle Orte aufgezählt – jedenfalls finden sich im Buch zahlreiche anschauliche und eindrucksvolle Bilder, die die kunstgeschichtliche Vielfalt der Insel hervorragend darstellen.


Ausgabe 2011 ist sprachlich, optisch und inhaltlich hervorragend

Rom, DuMont Kunst‑Reiseführer

Autor: Heinz‑Joachim Fischer; erschienen als 6. aktualisierte Auflage 2011 im DuMont‑Verlag; ISBN 978‑37701‑5607‑8

„Die 50 wichtigsten Orte auf einen Blick – Umweg lohnt – keinesfalls versäumen“ ist die erste Übersicht im Buch.
Da weiß der Leser sofort, was ihn erwartet.
Doch der Autor, langjähriger römischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, beginnt zunächst mit ausgezeichneten Beschreibungen des römischen Alltags (nachts, morgens, mittags …) und ebenso gut formulierten römischen Jahreszeiten.
Diese 20 Seiten bieten aktuelle Informationen mit einem Schuss Humor und zeigen die Eigenheiten der Römer.

Dann folgen Kapitel über die „Palazzi der Macht – das politische Rom“ und die „Geheimnisse des Vatikans – aber wie ist er wirklich?“.
Letzteres erläutert Fischer anhand eines Rundgangs mit einem vatikanischen Prälaten. „Deutsche in Rom“, „der kranke Marmor“, die Geschichte Roms und Ansichten der Stadt – insgesamt 160 Seiten Hintergrundinformation, bevor er in die Vielfalt der Sehenswürdigkeiten eintaucht.

Auch die „Reiseinformationen von A bis Z“ am Ende des Buches fallen umfangreicher aus als in vielen anderen DuMont‑Führern.
Wichtige Adressen sind u. a. jene von Juwelieren, Pelzhändlern, Modehäusern und Schuhgeschäften.

Dieser Führer ist weit entfernt von trockenen Zahlen und Fakten.
Auch bei den Bauwerken lässt Fischer immer wieder interessante Informationen einfließen, z. B. über das Trastevere‑Viertel, sowie Anekdoten wie jene von Vasari über Michelangelo und seine Malereien in der Sixtinischen Kapelle.
27 Karten und Detailpläne helfen bei der Orientierung;
eine eigene Übersicht erleichtert das Auffinden im Buch.
Hinweise zu Besichtigungszeiten und praktische Tipps finden sich an den Seitenrändern in farbig hinterlegten Info‑Kästen.
Die Bilder sind sehr ansprechend und gut gewählt.

Ich bin fast versucht, diesen Kunst‑Reiseführer in einem Stück zu lesen, wohl wissend, dass ich mir die Datenfülle nicht merken kann.
Aber der Autor schreibt so interessant, dass ich nichts übersehen möchte – wie etwa die Passage über die römische Filmstadt Cinecittà auf Seite 389.


Nicht nur Assisi, sondern viele andere interessante Orte werden beschrieben

Umbrien, DuMont Kunst‑Reiseführer

Autor: Klaus Zimmermanns; Co‑Autoren: Andrea C. Theil, Christoph Ulmer;
erschienen als 2. aktualisierte Auflage 2011 im DuMont‑Verlag; ISBN 978‑3‑7701‑6621‑3

Die Fülle der Daten und Informationen kann ich natürlich nicht bis ins Letzte kontrollieren.
Da verlasse ich mich auf den DuMont‑erfahrenen Autor Klaus Zimmermanns.
Stichproben haben mir gezeigt, dass er sich im „grünen Herzen Italiens“ ausgezeichnet auskennt.

In seiner Einleitung skizziert er u. a. die Volksfrömmigkeit und Heiligen, natürlich Franziskus.
Etwas ausführlicher fällt die Einführung über Umbrer, Etrusker und Römer aus, war Umbrien doch Teil des Kernlands der Etrusker.
Westgoten, Langobarden, Franken, Stadtstaaten und Persönlichkeiten sowie „aus Küche und Keller“ nehmen die ersten 50 der 368 Seiten ein.

Dann folgen acht Kapitel über Städte und kleinere Regionen.
Je nach Größe gibt es Übersichtsstadtpläne oder Altstadtkarten;
Regionskarten finden sich in den Umschlagklappen.

Einige Beispiele: Die Schlacht Hannibals gegen die Römer am Trasimeno‑See;
30 Seiten über die Kirche San Francesco in Assisi;
Bevagna mit seiner reizvollen Altstadt;
die Benediktinerabtei San Pietro in Valle;
20 Seiten über Orvieto mit seinem großartigen gotischen Dom.
Hinweise zu Öffnungszeiten, Internetadressen und praktische Tipps finden sich an den Seitenrändern.

Sehr gutes Bildmaterial, ein Verzeichnis der Karten und Grundrisse, Glossar, Register und Reisehinweise – ein wirklich kompletter Kunst‑Reiseführer, den ich jedem empfehlen kann, der mehr als nur Vino und Pasta kennenlernen möchte.


Geht ausreichend in die Tiefe, ohne sich zu verzetteln oder unübersichtlich zu sein

Friaul und Triest, DuMont Kunst‑Reiseführer

Autor: Klaus Zimmermanns; Co‑Autoren: Andrea C. Theil, Christoph Ulmer;
erschienen als 5. Auflage 2011 im DuMont‑Verlag; ISBN 978‑3‑7701‑6613‑8

Seit 1987 bereise ich die östlichste Region Italiens, das Friaul‑Julisch Venetien.
Daher kenne ich diese Region sehr gut, fand aber auch in diesem Führer wieder Neues.
Zimmermanns wählte bewusst den Titel „Friaul und Triest“, da der Großteil der historischen Region Julisch‑Venetiens heute in Slowenien und Kroatien liegt.

Wenn ich schreibe, dieser Führer „beschränkt“ sich auf das heutige italienische Territorium, so ist das kein Nachteil.
Auf knapp 380 Seiten finden sich zwar nicht alle Daten dieser Region, aber doch so viel, dass selbst Studienreisende bestens versorgt sind.

Beispiele:
24 Seiten über Cividale del Friuli, davon sechs über das Museum;
fast zwei Seiten über den Wallfahrtsort Castelmonte;
fast 30 Seiten über die Täler Karniens und Gemona;
60 Seiten über Aquileia und Grado – besonders die Ausführungen zu Grado sind sehr interessant.
Viele Villen der friulanischen Tiefebene werden beschrieben, auch weniger bekannte.
Zu jedem der neun regionalen Abschnitte gibt es Tipps zu Übernachtung und Gastronomie.
Zahlreiche Ortspläne erleichtern die Orientierung.

Die Bildauswahl ist sehr gelungen, aussagekräftig und fotografisch hochwertig.
Randbemerkungen, etwa über frühere Taufrituale oder Burgen im Hügelland, geben zusätzliche Hintergrundinformationen.
Glossar, Reiseinformationen von A bis Z und Register ergänzen die gewohnt hohe Qualität der DuMont Kunst‑Reiseführer.


Das war das erste Buch, das ich rezensiert habe.

„Freigang eines Photographen“

Erschienen im Studien Verlag, Innsbruck 2004; ISBN 3‑7076‑4067‑3; in Koproduktion mit Edition Sturzflüge, Bozen

Ein „geschriebener Theatersommer“ in Italien.
Auf knapp 200 Seiten beschreibt der eigentlich als Photograph reisende Maurizio Buscarino Theaterinstallationen und Aufführungen im Sommer des Heiligen Jahres 2000.

Er beginnt seine Reise im Raum Mailand, wo er den Beginn einer Pilgerreise einer Gruppe von Künstlerinnen erlebt.
Diese wollen auf der alten Via Francigena nach Rom wandern und künstlerische Akzente setzen. Buscarino selbst „springt“ jedoch in ganz Italien von einem Spektakel zum nächsten und trifft zwischendurch immer wieder die Pilgerinnen.

Seine Besuche gelten Aufführungen in Gefängnissen wie Foggia und Volterra, in einer lombardischen Krypta in der Südtoskana, bei schwefelhaltigen Quellen nahe Viterbo oder in aufgelassenen Schlacht‑ und Bahnhöfen.
Zwischen den ausführlich beschriebenen Aufführungen finden sich Momentaufnahmen des Alltags: der „Gasthof Eremo“ im Latium, die Landschaft bei Centeno, oder die Querelen theater spielender Häftlinge.

Wenige Schwarzweiß‑Photographien, deren Aussagekraft manchmal unter dem schlichten Format leidet, selbstkritische Reflexionen über Leben, Theater und Glauben, sowie skizzenhafte Beschreibungen mystisch anmutender Szenen machen dieses Buch für Freunde moderner Theaterkunstformen interessant.

Elmer Locher hat eine sehr gute Übersetzung des italienischen Originals geschaffen. Die Wortwahl ist über viele Seiten treffend.
Allerdings – und das sei eine Warnung – ist dieses Buch kein leichtes, unterhaltsames Italien‑Lesebuch. Die Kunst regiert das Buch, und die Kunst der Worte ebenso.
Das fordert den Leser und lässt ihn öfter zum Lexikon greifen.

Was etwas auf der Strecke bleibt, ist die geografische Orientierung.
Nur Kenner Italiens können den schnellen, oft unerwarteten Ortswechseln folgen.
Doch gerade diese Mischung aus Theaterwelt, Italien und Momentaufnahmen wird Liebhabern moderner Theaterinstallationen gefallen.
Ein Buch aus einem Land, das eben nicht nur aus Vino, Pasta und Amore besteht.

Maurizio Buscarino

Er zählt zu den wichtigsten Theaterphotographen unserer Zeit.
Seine Arbeiten wurden weltweit ausgestellt, u. a. in Basel, Mexico City, São Paulo, Madrid, Barcelona und in der Nationalgalerie Peking.
Seit über zwanzig Jahren verfolgt er das europäische Theatergeschehen;
sein Archiv umfasst mehr als 800.000 Photogramme.
Vor wenigen Wochen erschien seine neueste Arbeit „Teatri delle terre di Pesaro e Urbino“ bei Electa, Mailand.