Titelbild Italien – Urbino

Il Teatro Grande di Brescia

Konzert des Dohnányi Orchestra Budafok
Konzert des Dohnányi Orchestra Budafok (Juni 2010)

Eine kurze Einführung in die Geschichte der italienischen Theater- und Opernhäuser finden Sie unter meinem Beitrag berühmte Opernhäuser und Theater in Italien.

Eine der liebenswerten Eigenheiten Italiens sind die unzähligen Theater, die man nicht nur in Städten, sondern auch auf dem Land in kleinen Dörfern findet. Die Oper, die in Italien etwa Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden war, fand zunächst ihr Zuhause in Opernhäusern, die vom Adel errichtet und diesem vorbehalten waren. Theater gab es schon vorher, denken wir an das Teatro Olimpico von Vicenza, das 1580 entstand und als erste Bühne über ein perspektivisches Bühnenbild verfügte.

Doch mit dem Aufkommen der Oper und deren steigender Beliebtheit auch unter der Bevölkerung, begannen immer mehr Städte, sich Opern- oder Theaterhäuser zu leisten. Hatte eine Stadt nicht genügend Geld, so versuchte man den Adel für die Errichtungskosten zu gewinnen. Gleiches galt auch auf dem Lande. Die Italiener verstanden es, ihren „Landadel“ so zu motivieren, dass in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein wahrer Opern- und Theaterhaus-Boom in den Dörfern entstand.

Pausenraum im Teatro Grande
Pausenraum im Teatro Grande

„Il Teatro Grande“ – und nicht „Il Grande Teatro“

Auch Brescia bekam ein Theater. 1664 eröffnete es und Anfang des 19. Jahrhunderts, um 1800, hätte es zu Ehren des Großen, il Grande, Napoléon I., der einen Umbau durch seine persönliche Anwesenheit einweihen hätte sollen, „Il Grande Teatro“ heißen sollen. Napoléon kam aber nicht. Und aus Ärger darüber stellten die Bürger der Stadt das „il“ einfach an eine andere Stelle – und so heißt das Theater nun nicht „Theater des Großen“, sondern „Das große Theater“.

Gianni – mein Theaterführer mit Leib und Seele

… im wahrsten Sinne des ersten Wortes!

960 Sitzplätze hat es, wie mir Gianni, mein Führer durch das Theater erklärte. Und es ist noch heute eines von 28 traditionellen italienischen Theatern. Der Tag war heiß, an dem ich von ihm, der auch äußerlich an einen Theaterhelden erinnert, durch die ehrwürdigen Räume geführt wurde, die Gott sei Dank eine angenehme Kühle ausstrahlten.

Gianni bei Erklärungen
Gianni bei Erklärungen

Ein gewisser Antonio Marchetti entwarf die Eingangshalle in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die im Barockstil ausgeschmückt ist. Fresken und Stuckwerk werden in Spiegeln reflektiert und geben dem Raum etwas Heiteres. Hinter den Logen öffnet sich ein kleiner Raum – wie Gianni erklärt, für ein delikates Diner oder, wie ich ergänzte, für den Empfang der Mätresse.

Dohnányi Orchestra Budafok

unter Leitung des Dirigenten Umberto Benedetti Michelangeli

Am Abend war ich zu Gast bei einem Konzert des „Dohnányi Orchestra Budafok“ unter Leitung des Dirigenten Umberto Benedetti Michelangeli, dem Enkel des großen Sohns Brescia, des Starpianisten Arturo Benedetti Michelangeli (* 1920, † 1995).

Besonders begeisterte mich der zweite Teil des Abends, die Symphonie Nr. 6 „Pastorale“ von Beethoven. Im ersten Teil konnte ich von Claude Debussy die „Prélude à l’après-midi d’un faune“ sowie von Ernest Chausson das „Poème de l’amour et de la mer“, Op. 19 hören. Mezzosopranistin war Julia Gertseva.

In Brescia findet übrigens jedes Jahr ein internationales Klavierfestival statt (www.festivalpianistico.it).

„Comedia dell’Arte“ – ein Erlebnis an diesem Abend

Blick auf die Bühne – Konzert 2010
Blick auf die Bühne – Konzert 2010

Zusammen mit einigen anderen hatte ich eine Karte für die „Kaiserloge“, jene Loge, die sich genau gegenüber der Bühne befindet. Unsere Nummern waren eins bis acht, also erste und zweite Reihe.

Doch standen die Stühle mit den Nummern neun und zehn ganz vorne in der Mitte – natürlich bereits besetzt von einem italienischen Paar. Unsere Begleiterin von Bresciatourism, Rima Balhiss, ließ sich auf keine Diskussion ein und „staubte“ die beiden samt ihrer Stühle in die letzte Reihe zurück.

Was die vertriebene Signora zu protestähnlichem Verhalten veranlasste – übertriebenes Fächeln, lautes Seufzen – und nach der Pause erschien sie gar erst nach einer gehörigen Zeit.

Ein Mitreisender und ich erbarmten uns schließlich und ließen sie in Reihe zwei Platz nehmen. So konnte ich aus der letzten Reihe nicht nur fotografieren, wann ich wollte, sondern auch das Geschehen schriftlich festhalten.