Motorsportliche Erfolge der Motorradmarke KTM

Straßenrennen Wiener Neustadt 1955 – KTM Team

Erfolge bei Motorsportveranstaltungen waren seit jeher ein wirksames Mittel, um den Absatz von Motorrädern zu steigern. Auch bei KTM entstanden die motorsportlichen Ambitionen aus diesem Gedanken heraus. Neben klassischen Rennen organisierte KTM unter der Federführung von Ernst Kronreif auch besondere Langstreckenfahrten, um die Leistungsfähigkeit der KTM‑Modelle zu demonstrieren. Ein Beispiel dafür ist die Nonstop‑Fahrt Paris–Wien der 125‑cm³‑KTM‑Maschinen am 30. September 1954: Das KTM‑Team war auf derselben Strecke schneller als der „Arlberg‑Express“!

Während man in der zweiten Hälfte der 1950er‑Jahre sowohl an Straßen‑ als auch an Geländerennen teilnahm, verlagerte sich der Schwerpunkt ab Mitte der 1960er‑Jahre zunehmend auf den Geländesport und das Motocross. Nach 2000 stieg KTM in die Motorrad‑Straßenweltmeisterschaft ein, und in den 2010er‑Jahren feierte KTM große Erfolge bei der härtesten Rallye der Welt – der Rallye Dakar.

Bäderpreis von Österreich 1956 – KTM Fahrer

Der erste motorsportliche Erfolg stellte sich bereits im Sommer 1953 ein. Bei der Wertung „Quer durch das untere Mühlviertel“ belegten KTM‑Fahrer die Plätze eins bis vier in der Klasse bis 100 cm³: 1. Erich Trunkenpolz, 2. Hans Trunkenpolz (Stiefbruder von Erich), 3. Ernst Kussin, 4. F. Teufl. Bei der Gaisbergwertung desselben Jahres gingen die Plätze zwei bis fünf (Alois Hoffmann, Erich Trunkenpolz, Erwin Lechner, Ing. Eugen Hitzl) sowie Platz acht (Leopold Kaidsch, der als Einbeiniger Rennen fuhr) an KTM. Die Plätze dazwischen belegten zwei Mopeds des stärksten Salzburger Konkurrenten jener Zeit: HMW – das Halleiner Motorenwerk [mehr über HMW].

Bis 1959 folgten zahlreiche weitere Siege. 1954 gewann Erich Trunkenpolz beim Straßenrennen in Mattighofen am 25. April die 125‑cm³‑Tourenmaschinen‑Klasse mit einem Schnitt von 74,481 km/h. Erwin Lechner – damals noch auf Puch – gewann die 175‑cm³‑Klasse vor Trunkenpolz auf KTM. Auch Ernst Kussin war dabei: noch auf einer Norton 500 gewann er die Klasse über 350 cm³ [mehr über Kussin].

Erwin Lechner mit Doppel-Nocken-KTM

Es folgte der Sieg von Erich Trunkenpolz in der 125‑cm³‑Klasse beim Straßenrennen in Hallein am 2. Mai. Zweiter wurde Hoffmann, Dritter Edi Kranawetvogl (beide KTM). Kranawetvogl gewann zudem die 100‑cm³‑Klasse vor Sauseng (ebenfalls KTM), Dritter wurde Adolf Golser – auf einem Moped! Die Internationale Österreichische Alpenfahrt vom 10.–13. Juni wurde von Albert Brenter, Erich Trunkenpolz und Edi Kranawetvogl [mehr über Kranawetvogl] auf KTM 125 bestritten. Brenter gewann die 125‑cm³‑Klasse.

1955 trat das neue KTM‑Team mit der neuen KTM Tourist erstmals bei der Wintertourenfahrt des ÖAMTC an und gewann zwei Goldmedaillen (Kranawetvogl, Lechner) sowie drei Bronzemedaillen (Schwarz, Pfeiffer und Inge Weikinger – die spätere Ehefrau von Edi Kranawetvogl). Auch 1955 ging es erfolgreich weiter: „Vom Bisamberg zur Höhenstraße“, Straßenrennen St. Pölten, Mattighofen und natürlich das 1.-Mai-Rennen in Salzburg – bei all diesen Veranstaltungen belegte KTM regelmäßig Plätze unter den ersten vier.

KTM 125 mit MV-Agusta-Motor 1956

1956 errangen Kurt Starzinger (Wiener Neustadt) und Egon Dornauer (Hallein) die ersten beiden Goldmedaillen für KTM bei einer „Six Day“ – bei der Internationalen Sechstagefahrt in Garmisch‑Partenkirchen. Franz Albert (Wörgl) gewann das Zeller Eisrennen und das Straßenrennen in Mattighofen. Paul Schwarz hielt beim 1.-Mai-Rennen tapfer mit und wurde Fünfter – das Rennen gewann Gustl Hobl auf DKW. Am 21. und 22. Juli starteten Paul Schwarz, Franz Albert und Erich Trunkenpolz beim Internationalen Solitude‑Rennen bei Stuttgart, das zur Weltmeisterschaft zählte. In der 125‑cm³‑Klasse traten sie gegen prominente Fahrer wie Ernst Degener, Carlo Ubbiali, Luigi Taveri und August Hobl an.

KTM wird Orange

Das ursprüngliche Logo von KTM aus den 1950er-Jahren

Ernst Kronreif, stets auf der Suche nach neuen Ideen zur werbewirksamen Präsentation von KTM, kam auch auf die Idee, Orange als Firmenfarbe einzuführen. Zur „Six Days“ 1956 in Garmisch‑Partenkirchen erschien Kronreif mit einem Kastenwagen, einem Porsche 1300 und seinem Lancia Spyder – alle drei blau‑orange lackiert. Seither ist Orange die unverwechselbare Firmenfarbe von KTM.

Für Aufregung sorgte der erste Abend der „Six Days“: Der Porsche war verschwunden! Albert Brenter hatte ihn vor seinem Quartier abgestellt – mit steckendem Zündschlüssel. Die Polizei suchte zwei Stunden lang, bis sie den „Dieb“ fasste: Paul Schwarz vom KTM‑Team hatte sich den Porsche für eine „dringende“ Fahrt ausgeliehen. Da er weder Papiere noch Pass bei sich hatte, wurde er vorübergehend festgenommen.

Das neue orange Logo von Ernst Kronreif

1957 gewann KTM erstmals die österreichische Straßenmeisterschaft der 125‑cm³‑Klasse mit einer 4‑Takt‑Rennmaschine, die bei 12.000 U/min 18 PS leistete. Beim „Porsche‑Gedächtnis‑Rennen“ am Zeller See dominierten KTM‑Maschinen: Im 125‑cm³‑Skijöring siegte Paul Schwarz vor Toni Magnus [mehr über Magnus] und Erwin Lechner. Auch in der 175‑cm³‑Skijöring‑Klasse sowie im Eisrennen bis 175 cm³ gab es Siege und Podestplätze. Erwin Lechner war mit seiner 125‑cm³‑Maschine sogar schneller als Alois Maxwald auf einer 350er AJS.

Sechs Tage Fahrt 1955 in Gottwaldov

Beim internationalen Motocross in Riga – damals UdSSR, heute Lettland – einer der größten Veranstaltungen im Ostblock, kamen alle fünf gestarteten KTM‑Fahrer ins Ziel. Erwin Lechner wurde in der 125‑cm³‑Klasse Siebenter, Kurt Statzinger Neunter, Edi Kranawetvogl wurde in der 175‑cm³‑Klasse sensationell Zweiter. Inge Weikinger belegte Platz zehn.

1958 gewann KTM bereits zum vierten Mal die Geländesport‑Staatsmeisterschaft bis 125 cm³. Bei der Sechstagefahrt in Garmisch‑Partenkirchen errang KTM die Silbermedaille. Erwin Lechner gewann die Frühjahrsfahrt des ÖAMTC in Engelhartszell und zahlreiche weitere Rennen: Eisenstädter Bergwertung, Motocross Judenburg, Kapfenberger Schlossbergrennen, Regenrennen in Laxenburg, Phyrnpass‑Bergwertung, Gaisbergwertung und die Alpenfahrt.

Paul Schwarz im Gelände

Ernst Kronreif erlebte die Erfolge des Jahres 1960 nicht mehr – er starb am 24. Mai 1960. Lechner gewann fast jedes Rennen, bei dem er startete, oder wurde Zweiter. Beim Flugplatzrennen Zeltweg fuhr er auf dem 3,2‑km‑Kurs die schnellste Runde: 112,94 km/h – auf einer 125‑cm³‑Maschine in der 175‑cm³‑Klasse.

Ab 1965 engagierte sich KTM verstärkt im Geländesport – ein Bereich, in dem die Firma bis heute Weltspitze ist.

1967 formierte sich ein neues Geländesport‑Team: Siegfried Stuhlberger, Gerhard Weber, Hans Trunkenpolz (Halbbruder von Erich) und Toni Kiemeswenger. 1968 begann die Serienfertigung der völlig neuen Geländesportmaschine „Penton“.

1970 wurde Manfred Klerr auf einer 250‑cm³‑KTM österreichischer Staatsmeister im Gelände. 1971 folgten die ersten WM‑Punkte im Motocross und zwei Staatsmeistertitel.

Paul Schwarz auf KTM-Straßenrennmaschine

Mit den russischen Fahrern Moiseev und Roulev machte KTM 1973 einen Glücksgriff. 1974 folgte der erste Motocross‑Weltmeistertitel in der 250‑cm³‑Klasse durch Gennadij Moiseev aus Leningrad. Auch 1977 und 1978 gewann KTM den WM‑Titel in dieser Klasse.

1984 und 1985 holte Heinz Kinigadner die WM‑Titel in der 250‑cm³‑Klasse. 1989 folgte der WM‑Titel in der 125‑cm³‑Klasse durch Trampas Parker (USA). Ebenfalls 1989: Erster WM‑Titel in der Seitenwagenklasse (Hüsser/Hüsser, Schweiz), dritter Enduro‑EM‑Titel in Folge (125 und 250 cm³), sowie der Gewinn der deutschen SOS‑Straßenmeisterschaft durch W. Felber.

1996 gewann KTM den WM‑Titel in der 500‑cm³‑Klasse mit Shayne King. 2000 folgten zwei WM‑Titel (125 cm³: Grant Langston; 500 cm³: Joel Mets). 2001 gewann James Dobb die 125‑cm³‑Weltmeisterschaft.

2003 stieg KTM mit dem „Red Bull KTM Factory Racing Team“ in die FIM‑Straßenweltmeisterschaft ein. Nach einer Pause kehrte KTM in die Moto3‑Klasse zurück und war ab 2017 in allen Klassen vertreten (Moto3, Moto2, MotoGP). Fahrer‑Weltmeistertitel in der Moto3: 2012 Sandro Cortese, 2016 Brad Binder.

Werner Grissmann auf KTM Motocross

Motocross-Weltmeister (Auswahl)
2003: 125 cm³ – Steve Ramon (Belgien), 650 cm³ – Joel Smets (Belgien)
2004: 125 cm³ – Ben Townley (NZL), 650 cm³ – Yves Demaria (FRA)
2005: 650 cm³ – Sven Breugelmans (BEL)
2006: 650 cm³ – Yves Demaria (FRA)
2008: 125 cm³ – Tyla Rattray (RSA), 650 cm³ – Sven Breugelmans (BEL)

Am 23. September 2012 sicherte sich Matthias „Hiashi“ Walkner aus Kuchl den MX3‑Motocross‑Weltmeistertitel – 27 Jahre nach Heinz Kinigadner. Am 20. Jänner 2018 gewann Walkner als erster Österreicher die Motorradwertung der Rallye Dakar. 2019 wurde er Zweiter. Mehr über Matthias Walkner: im Salzburgwiki.

Quellen
* Motorrad‑Literatur‑ und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer
* Chronik von KTM
* Hans Seper, Helmut Krackowizer, Alois Brusatti: Österreichische Kraftfahrzeuge von Anbeginn bis heute, 1982
* Martin Pfundner: Die Auto‑Österreicher – Wegbereiter der Mobilität, 2006