Nordspanien, Strand von Doniños, Ferrol in Galicien © carlossoy in pixabay
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Jakobsweg in Nordspanien: Pilgern und Wandern

Über den Jakobsweg und seiner Zubringerwege

Karte vom Verlauf der Zubringerwege zum Jakobsweg

Die Mauren drangen stetig in den Norden der iberischen Halbinsel vor. Zwar waren sie anderen Religionen gegenüber tolerant – man denke nur an Toledo, wo Juden, Christen und Moslems zur Zeit der Maurenherrschaft nebeneinander lebten und gegenseitig von ihrem Wissen profitierten. Dennoch konnte die „katholische“ Welt nur schwer ertragen, dass die Mauren die Halbinsel beherrschten. Im Jahr 722 schlug der Westgotenfürst Pelayo die Mauren erstmals vernichtend – bei Covadonga in Asturien im Norden der iberischen Halbinsel.

Man war nicht gewillt, sich dort wieder vertreiben zu lassen. Da kam die Entdeckung des Apostels Jakobus im nordwestlichsten Teil der Halbinsel gerade recht. Der Legende nach soll das Boot mit den Gebeinen des Apostels bei Padrón, etwa 20 Kilometer südwestlich des heutigen Santiago de Compostela, „angelegt“ haben. Jakobsweg, Verlauf in Nordspanien Den Steinpfahl, an dem es festgemacht haben soll, kann man noch heute sehen. Die Legende berichtet weiter, dass in den ersten Jahren des 9. Jahrhunderts ein übernatürliches Licht einem frommen Einsiedler die Lage des Grabes anzeigte: Campus Stellae, Feld des Sterns – Santiago de Compostela.

Natürlich war es damit nicht mit den Legenden vorbei. Wunder und Erscheinungen machten die Runde, und Pilger aus ganz Europa nahmen die unendlichen Reisestrapazen Ende des ersten Jahrtausends auf sich – um den Mauren zu trotzen und zu zeigen: Das, Freunde, ist unser Heiliger, und den Weg dorthin werdet ihr uns nicht mehr verstellen!

Es folgte die Entwicklung einer beispiellosen Wallfahrt in Europa. Das Heilige Grab in Jerusalem war nicht nur immer wieder von den Arabern versperrt, sondern auch nur über den Seeweg erreichbar. Nach Santiago de Compostela hingegen konnte jeder zu Fuß pilgern. Man ging dort, wo es möglich war, die Pyrenäen und andere geografische Hindernisse zu überqueren. Im Laufe der Jahrhunderte bildete sich jener Verlauf heraus, der heute als „Jakobsweg“ bezeichnet wird. Über zwei verschiedene Pässe führten die „Zubringer“ nach Spanien, die sich bei Puente La Reina vereinigten. 761 lange Kilometer allein im Norden der Iberischen Halbinsel – und nochmals tausend und mehr Kilometer nördlich der Pyrenäen in die Heimat der Pilger.

Nördlich der Pyrenäen gab es vier „Zubringer“, die man aus geschichtlicher Sicht ebenfalls als Jakobswege bezeichnen kann:
1. von Paris über Orléans die Loire flussabwärts bis Tours und über Poitiers nach Bordeaux und weiter in die Pyrenäen nach Roncesvalles;
2. vom burgundischen Vézelay über Nevers und Saint-Léonard in Mittelfrankreich ebenfalls nach Roncesvalles;
3. von Le Puy nahe des Rhône-Tals in die Pyrenäen nach Roncesvalles;
4. von Arles in Südfrankreich über Toulouse in die Pyrenäen über Oloron nach Jaca in Spanien.

Es gibt keine "Jakobswege" in Mitteleuropa

Zubringerwege innerhalb Europas für den Jakobsweg

Im 21. Jahrhundert entdeckten Fremdenverkehrsmanager das Pilgern und die Pilgerwege als neue Marketing-Ideen. So entstanden in ganz Mitteleuropa plötzlich „Jakobswege“. Alle diese als Jakobswege bezeichneten Strecken, etwa in Mitteldeutschland oder im Salzburger Land in Österreich, waren jedoch definitiv niemals explizit Teile des historischen Jakobsweges, sondern ganz normale Verbindungs- oder Pilgerwege innerhalb Mitteleuropas. Natürlich gingen auch auf diesen Wegen Pilger, die nach Santiago wollten – aber es waren eben nicht die eigentlichen Jakobswege. Die Karte zeigt die wichtigsten Zubringerwege zu den französischen Sammelpunkten, an denen die echten Jakobswege beginnen.

Die Entwicklung der Pilgerzahlen in den 2010er- und 2020er-Jahren

Ein weiteres Zeitereignis irritierte Mitte der 2010er-Jahre die wahren Pilger und die Hospize entlang des Jakobswegs: Es schien eine Modeerscheinung zu werden, auf dem Jakobsweg zu „pilgern“ – oder vielmehr Urlaub zu machen. Ausgelöst wurde der Wanderboom durch ein Buch eines Prominenten und brachte die Hospize an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. War es früher üblich, sich ab etwa 15 bis 16 Uhr ein Nachtquartier in einem der zahlreichen Pilgerhospize zu suchen, so muss man heute bereits um 12 bis 13 Uhr damit beginnen, um noch eine freie Schlafstelle zu bekommen. Ist das dann noch Pilgern auf dem Jakobsweg, wenn man nur einen halben Tag wandern kann? Nun ja – schade ist diese Entwicklung. Aber ich setze große Hoffnung darauf, dass ein neuer Trend diesem Spektakel bald ein Ende bereiten wird und die Wege und Hospize wieder mehr von jenen Pilgern frequentiert werden können, die die Einsamkeit, die Spiritualität des Weges suchen und mit ihren Gedanken allein sein wollen.

Laut Angaben der Wallfahrtsstätte in Santiago waren bis Mitte Juli 2024 bereits 240 000 Pilger den gesamten Weg oder Teile davon bis Santiago gegangen. Aus Österreich kamen etwa 1 570 Personen. Im Jahr 2023 trafen 446 035 Pilger am Ziel ein, wie das örtliche Pilgerbüro bekanntgab. 2022 wurden 438 321 Pilgernde verzeichnet. Vor der Coronapandemie zählte man 347 511 (2019). 2023 kamen die meisten Pilger – 44 Prozent – aus Spanien. Auf Platz 1 der anderen Nationen lagen die USA mit knapp über 32 000 Menschen, dahinter Italien mit etwas über 29 000 und Deutschland mit mehr als 24 000. Die Österreicher lagen auf Platz 22. Quelle: „Salzburger Nachrichten“, Ausgabe vom 1. August 2024.

Wenn Sie auf dem Jakobsweg wandern möchten – hier ein paar Tipps

  1. Pilgerherbergen können nicht vorreserviert werden!
  2. In den Herbergen entlang des Weges kann es in den Sommermonaten sehr eng werden. Zwar genießen (Fuß-)Pilger mit dem Pilgerausweis (Credencial) Vorrang vor anderen Pilgern wie Radfahrern oder Wanderern ohne Ausweis, dennoch empfiehlt es sich, bereits früh am Nachmittag nach einem Quartier zu suchen (siehe weiter oben).
  3. Radpilger könnten das Nachsehen haben, da Fußpilger bevorzugt werden.
  4. Den Pilgerausweis – Credencial – erhält man entweder in der ersten Herberge oder bereits im Voraus bei einem Jakobsverein. Er muss unterwegs in Herbergen, Kirchen und Klöstern abgestempelt werden. Nach mindestens 100 km zu Fuß (oder 200 km mit dem Rad) erhält man in Santiago de Compostela die Pilgerurkunde.
  5. Nur leichtes und unbedingt notwendiges Gepäck mitnehmen! 10 kg sollten reichen, schließlich müssen Sie alles selbst tragen. Wichtig sind: Wasserflasche, Schlafsack, Badeschuhe zum Duschen, Essbesteck, kleine Reiseapotheke sowie Kleidung. Leichte Wanderschuhe oder gute Sportschuhe sind empfehlenswert.
  6. Die Pilgerherbergen sind einfach, selten noch kostenlos, meist aber günstig. Und – sehr wichtig – man darf jeweils nur eine Nacht bleiben.

Weitere Informationen über den Jakobsweg im Internet u. a. unter diesem Link www.jakobs-weg.org

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