2025: erste UNESCO‑Weltkulturerbestätte in der Bretagne
Alignements du Ménec, die Steinreihen bei Carnac © Fanch Galivel – Atout France
Frankreich feiert 2025 seine 54. Weltkulturerbestätte, die Bretagne ihre allererste: Die Steinreihen von Carnac und die Megalithlandschaft der bretonischen Südküste am Golf von Morbihan stehen seit diesem Sommer auf der offiziellen Liste der UNESCO. Die insgesamt 550 Megalithstätten sind nicht nur das erste UNESCO‑Weltkulturerbe für die Bretagne, Frankreichs westliche Halbinsel im Atlantik, sondern auch ein Novum für die UNESCO selbst: Denn erstmals wurde keine einzelne Sehenswürdigkeit oder ein einzelner Ort anerkannt, sondern eine gesamte Landschaft.
Weltweit einzigartig in Anzahl, Größe, Vielfalt und Küstennähe
Die Vision, Organisation und das technische Know‑how der Gesellschaften im Neolithikum
beschäftigen Wissenschaft und Forschung bis heute und stellen ein einzigartiges
Weltkulturerbe der Menschheit dar. Überzeugend für die Aufnahme der bis zu 7000 Jahre alten
Megalithen in die Liste des UNESCO‑Weltkulturerbes waren außerdem deren weltweit einzigartige
Lage am Ozean, der Reichtum der Gravuren auf den Steinen und die Monumentalität der
jungsteinzeitlichen Bauten.
Alignements du Ménec, die Steinreihen bei Carnac © André Polkowski – Atout France
Nirgendwo auf der Welt findet sich eine größere Anzahl an Menhiren – sei es alleinstehend, in einer Gruppe oder in Reihen – auf derart engem Raum. Die vollständig erhaltenen Formationen ziehen sich von Carnac bis La Trinité‑sur‑Mer an der südlichen Atlantikküste der Bretagne. Insgesamt 3000 Menhire – lange, aufrechtstehende Hinkelsteine – folgen hier in zehn bis 13 Steinreihen aufeinander, verteilt über vier Kilometer und unterteilt in vier Gruppen: Le Ménec, Kermario, Kerlescan und Petit Ménec.
Le Grand Menhir Brisé in Locmariaquer © Fanch Galivel – Atout France
Besonders auffällig durch seine Größe ist der 300 Tonnen schwere und 20 Meter hohe, in vier Teile zerbrochene Menhir von Locmariaquer an der Küste des Golfs von Morbihan. Ursprünglich gehörte er zu einer Anordnung von 18 Megalithen, von denen er als einziger erhalten ist. Welche Umstände dazu führten, dass der ehemals aufrechtstehende Menhir umfiel und zerbrach, ist bis heute ungeklärt. Unweit von ihm befindet sich eine Grabkammer, auch Dolmen genannt, deren Inneres mit vielfältigen Gravuren und Symbolen – unter anderem Tierfiguren – überzogen ist.
Die Insel Gavrinis (Île de la Chèvre), links im Bild die Grabstätte Cairn © Alexandre Lamoureux – Atout France
Auf der Insel Gavrinis – eine von 42 Inseln im Golf von Morbihan – liegt einer der Cairns genannten Steinhügel. Dieser ragt hoch auf und besteht aus 23 Stelen, die mit einem komplexen System von Linien und Flechtwerken verziert sind. Das Bauwerk ist so raffiniert, dass es als Sixtinische Kapelle des Neolithikums bezeichnet wird. Die Insel befindet sich 15 Kilometer südlich der Stadt Vannes im Golf von Morbihan, einem inselreichen Binnenmeer, das über eine schmale Passage mit dem Atlantik verbunden und daher salzwasserhaltig ist.
Insel Gavrinis: Der Grabhügel erreicht eine Höhe von 8 m und einen Durchmesser von über 50 m. © Alexandre Lamoureux – Atout France
Ein Weltkulturerbe, das tief mit der Bretagne verbunden ist
Bereits seit zehn Jahren gab es in der Bretagne Bestrebungen, die 550 Megalithstätten in Carnac
und am Golf von Morbihan in die Liste der UNESCO aufnehmen zu lassen. 2024 wurden sie der offizielle
Kandidat Frankreichs und dürfen sich nun gemeinsam mit der Chinesischen Mauer, den ägyptischen
Pyramiden von Gizeh, dem indischen Taj Mahal und anderen Megalithstätten wie Stonehenge in die
kulturell und historisch weltweit einzigartigen UNESCO‑Weltkulturerbestätten der Menschheit
einreihen. Ziel ist es, diese schützenswerte Landschaft der Bretagne zu erhalten, Wissen zu teilen
und das kulturelle Erbe der Region über die Landesgrenzen hinaus verantwortungsvoll und sensibel
bekannter zu machen.
Schon gewusst? Das Wort Menhir stammt aus dem Bretonischen: men für Stein und hir für lang. Die ganze Welt spricht also ein bisschen Bretonisch, wenn sie die langen, aufrechtstehenden Hinkelsteine als Menhir bezeichnet.
Zu Fuß, im Kajak und zwischen Schafen: Weltkulturerbe hautnah
So vielseitig wie die Megalithstätten der Bretagne sind auch die Möglichkeiten, sich auf deren
Spuren zu begeben. Wer tief in die Geschichte eintauchen möchte, sollte das Prähistorische
Museum oder das Haus der Megalithen in Carnac besuchen. Deutschsprachige Führungen und
Audioguides werden angeboten. Tipp: Wer die Hinkelsteinfelder weitestgehend für sich haben und
nur mit ein paar Schafen teilen möchte, die die Anlage pflegen, kommt am besten in der
Nebensaison im Frühjahr und Herbst.
Auf 2 000 Kilometern umrundet der Küstenwanderweg GR34 die gesamte bretonische Halbinsel und nimmt dabei jede Landspitze, jeden Leuchtturm und jeden Menhir am Meer mit. Wer dem Küstenpfad mit der rot‑weißen Beschilderung am Golf von Morbihan im Süden der Bretagne folgt, entdeckt neben weißen Sandstränden, Austernparks und Salzwiesen auch die von der UNESCO ausgezeichneten Megalithstätten.
Zur Insel Gavrinis geht es in ein paar Minuten mit der Fähre von Larmor‑Baden und Port‑Navalo sowie im Sommer auch von Vannes, Locmariaquer und der benachbarten Mönchsinsel Île aux Moines. Wer es sportlicher mag, kann auch eine Kajaktour mit Guide buchen.