Motorsport in Frankreich
Frankreich zählt zu den Geburtsländern des Motorsports – von frühen Bergrennen über
legendäre Marken bis zu weltbekannten Rennstrecken.
Historische Wurzeln
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Frankreich die ersten Automobilrennen. Hersteller wie Peugeot, Renault und Panhard & Levassor prägten diese Anfangszeit maßgeblich. Viele der frühen Wettbewerbe waren Zuverlässigkeitsfahrten über große Distanzen – oft quer durch das Land.
Aus der Geschichte
Der 1895 gegründete Automobil-Club von Frankreich veranstaltete bereits im darauffolgenden
Jahr das erste Langstreckenrennen für „Motorcycles“, wie Motorräder damals genannt wurden.
Es führte von Paris nach Marseille und wieder zurück. Diese Motorcycles waren allerdings
Dreiräder; eine bekannte französische Marke war De Dion-Bouton. Ergebnislisten dieses
Rennens sind nicht mehr erhalten.
Paris–Amsterdam–Paris 1898
Am 5. Juli 1898 startete das bis dahin größte Automobilrennen auf der Strecke Paris–Amsterdam. Sowohl die Zahl der gemeldeten Teilnehmer als auch die Länge der Route machten dieses Rennen zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Nicht weniger als 77 Fahrer gingen mit ihren unterschiedlich konstruierten Fahrzeugen auf die rund 1 600 Kilometer lange Strecke.
Die Teilnehmer wurden in Schnellfahrer ("Rennfahrer") und Touristen eingeteilt, dazu kamen mehrere Unterkategorien für verschiedene Fahrzeugtypen. Die Liste der Gemeldeten bot ein beeindruckendes Bild der damaligen Automobilszene.
Ein weiteres Fernstreckenrennen für Automobile führte 1902 von Paris nach Wien, unter anderem mit einem Etappenziel in Salzburg. Zu den prominenten Teilnehmern gehörten u. a. Friedrich Karl Prinz zu Hohenlohe, Kraft Fürst zu Hohenlohe, Fürst Trautmannsdorff, Emil Jellinek (ein österreichisch-ungarischer Geschäftsmann und Diplomat, dessen Tochter Mercedes Namensgeberin der Automobilmarke Mercedes wurde), Baron Skoda, P. Michelin, Alexandre Darrac und Marcel Renault. Automobile und Motorräder verkauften sich damals vor allem über sportliche Erfolge und Zuverlässigkeitstests, die möglichst vom Hersteller persönlich erzielt wurden. Das war der Grund, weshalb Hersteller wie Skoda, Darrac oder Renault selbst an diesem und anderen Rennen teilnahmen.
Beim Städterennen Paris–Madrid 1903 kam es zu schweren Unfällen, weshalb das Rennen noch vor der spanischen Grenze in Bordeaux abgebrochen wurde. Zahlreiche Zuschauer wurden verletzt, und es gab auch Tote.
Trotz dieses Unglücks veranstaltete der französische Auto-Cycle-Club am 12. September 1904 das erste Motorradrennen um die „Coupe Internationale“, an dem fünf Nationen teilnahmen – Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Österreich. Das Rennen war schlecht organisiert, endete mit Protesten und versank beinahe im Chaos. Dennoch war es das erste Rennen, das auf einer geschlossenen Rennstrecke stattfand. Auch der zweite „Coupe Internationale“ am 25. Mai 1905 fand wieder in Frankreich statt, diesmal deutlich besser organisiert. Sieger auf der Dourdan-Rennstrecke wurde der Österreicher Vaclav Vondřich auf einer Laurin & Klement mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 87,7 km/h. Als Dritter und zugleich letzter der zwölf Gestarteten, die das Ziel erreichten, beendete Joseph Giuppone auf einer französischen Peugeot das Rennen. Eine Runde betrug 54 Kilometer und musste fünfmal gefahren werden.
Ebenfalls 1904 und 1905 fanden die Gordon-Bennett-Rennen für Automobile in Frankreich
statt, und zwar auf einem 93 Kilometer langen Rundkurs in den französischen Ardennen.
Die diesen Rennen vorausgehenden Auswahlrennen fanden auf einem Kurs in der Auvergne statt.
Das Bild zeigt die Auvergne-Rennstrecke für das französische Auswahlrennen 1905 für
das Gordon-Bennett-Rennen wird zunächst mit einem Staubbindemittel imprägniert
und dann durch die Besenmaschine geglättet. Bildquelle: Allgemeine Automobil-Zeitung,
Ausgabe vom 18. Juni 1905.
1907: Peking–Paris im Automobil
Weil die Automobilindustrie Anfang des 20. Jahrhunderts davon überzeugt war, dass ein Mann mit einem Automobil überall hinkommen könne, veranstaltete die Pariser Zeitung „Le Matin“ ein Wettrennen für Automobile und Dreiräder über 15 000 Kilometer von Peking nach Paris. Die fünf teilnehmenden Fahrzeuge wurden per Schiff nach China gebracht, und am 10. Juni 1907 begann die abenteuerliche Fahrt: zwei De Dion-Bouton‑Zweizylinder mit je 10 PS, ein Spyker‑Vierzylinder aus Holland mit 40 PS, ein Itala‑Vierzylinder mit 40 PS aus Italien sowie ein Contal‑Dreirad mit einem Einzylinder‑Zweitaktmotor mit 6 PS.
Als Sieger wurde bei der Ankunft in Paris am 10. August der italienische Prinz Scipione Borghese mit seinem Itala gefeiert. Das Bild oben zeigt den Prinzen auf seinem ITALA.
Bergrennen am Mont Ventoux
Das Bergrennen auf den Mont Ventoux gilt als eines der ältesten seiner Art. Schon früh zog der „Riese der Provence“ Fahrer und Konstrukteure an, die die Leistungsfähigkeit ihrer Fahrzeuge unter extremen Bedingungen testen wollten.
Notizen aus der Geschichte des Bergrennens
1912 veranstaltete der Automobil Club von Avignon Anfang August das Bergrennen.
Den Sieg holte sich Boillot, der Gewinner des Großen Preises, der die 21,6
Kilometer lange Bergstraße auf seinem Peugeot in 17 Minuten 46 Sekunden
absolvierte – ein neuer Rekord für diese anspruchsvolle Steigung.
Das Bild zeigt Boillot bei seiner Fahrt auf seinem Peugeot-Wagen an einer
scharfen Kurve. Bildquelle Sport im Bild, Ausgabe 1912, Seite 1188 in den
digitalisieren Zeitungen und Zeitschriften der Österreichischen
Nationalbibliothek.
Die schnellsten Zeiten in den weiteren Kategorien erzielten:
Dezdeier auf Cottin mit 18:38 min
Demoreau auf Benz mit 18:49 min
Bugatti auf Bugatti mit 19:16 min
Auch Motorräder nahmen an diesem Bergrennen teil,
dessen Strecke 21,6 Kilometer lang war und eine maximale Steigung von 13 %
aufwies. 1928 gelang es Boetsch auf einer französischen 350‑ccm‑Magnat‑Debon,
als besonders routiniertem Fahrer, den bestehenden Mont‑Ventoux‑Rekord zu brechen.
Die Klassensieger waren:
175 ccm: Hommaire (Monet‑Goyon) – 22:15 min
250 ccm: Chabas (Terrot) – 24:15,6 min
1000 ccm: Ravat (Motosacoche) – 23:12,2 min
350 ccm: Boetsch (Magnat‑Debon)
Rudolf Caracciola, dem bekannten Mercedes-Benz-Fahrer, gelang es, bei dem
Bergrennen am Mont Ventoux 1931 einen neuen Sieg zu erringen. Er fuhr mit
15 Minuten und 22 Sekunden die beste Zeit des Tages und unterbot damit den
seit 1928 aufgestellten Streckenrekord wesentlich.
Die 24 Stunden von Le Mans
Das berühmteste Langstreckenrennen der Welt findet seit 1923 auf dem Circuit de la Sarthe statt. Le Mans steht für Ausdauer, Technik und Teamarbeit – und ist bis heute ein Höhepunkt im internationalen Motorsportkalender. [... weiterlesen]
Rallye Monte‑Carlo
Die Rallye Monte‑Carlo, organisiert vom Automobilclub von Monaco, führt traditionell durch die französischen Seealpen. Sie zählt zu den anspruchsvollsten Rallyes der Welt und ist ein Klassiker der Rallye‑Geschichte.
Rechts im Bild: Die Rallye Monte Carlo rollte in der Nacht
vom 17. auf 18. Jänner 1956 durch Salzburg.
Helmut Krackowizer hielt die Nacht in Bildern fest.
Die Rallye Monte Carlo gilt als der Beginn des heutigen Rallyesports. Die erste
Austragung fand 1911 statt, die nach allgemeiner Darstellung von Fürst Albert I.
mitinitiiert wurde. Ideengeber waren tatsächlich vor allem Alexandre Noghès, der
Präsident des ACM, und sein Sohn Antony. Damals handelte es sich um eine sogenannte
Sternfahrt, die in der Wintersaison Touristen ins Fürstentum Monaco locken sollte.
Am 21. Jänner 1911 starteten in Genf, Paris, Boulogne-sur-Mer, Berlin, Wien und Brüssel
insgesamt 20 Teilnehmer nach Monaco. Die Rallye wurde seit 1925 vom heimischen
Automobile Club de Monaco ausgerichtet.
Bis Ende der 1970er- und Anfang der 1980er Jahre wurde die Rallye Monte Carlo als
Sternfahrt mit anschließenden Sonderprüfungen in den Bergen an der Côte d’Azur ausgetragen.
Von 1973 bis 2008 gehörte sie zur Rallye Weltmeisterschaft, die traditionell jedes Jahr
im Jänner mit diesem Klassiker begann. In dieser Zeit wurde die Route mehrfach verkürzt,
um die Fernsehübertragung zu erleichtern. Dadurch fanden die anspruchsvollen,
kurvenreichen Prüfungen über den Col de Turini nicht mehr nachts statt und wurden 2007
sogar ganz ausgelassen. Diese „Nacht der langen Messer“ war einst der spektakuläre
Höhepunkt der Rallye und für viele Fahrer und Fans der Höhepunkt der gesamten Saison.
Ab 2009 war die „Monte“ Teil der Intercontinental Rally Challenge, wodurch auch die
Nacht der langen Messer mit der Überquerung des Col de Turini wieder ins Programm
zurückkehrte. Seit 2012 steht die Rallye Monte Carlo erneut im Kalender der Rallye
Weltmeisterschaft.
Französische Automobilmarken
Marken wie Peugeot, Renault und Citroën haben den Motorsport über Jahrzehnte
geprägt – sei es im Rallyesport, bei Langstreckenrennen oder in der Formel‑Welt.
Aber auch Matra (heute Ligier) und Simca waren im Motorsport vertreten. Viele technische
Innovationen entstanden im Wettbewerb.
Ältere Automobilmarken waren:
Bugatti war ein Automobilhersteller in Molsheim im Elsass. Gründer war Ettore Bugatti.
Die Produktion lief von 1909 bis 1963.
De Dion-Bouton, Delahaye oder Panhard sowie eine Reihe heute nicht mehr bekannter Marken.
Rennstrecken in Frankreich
- Circuit de la Sarthe – Le Mans
- Circuit Paul Ricard – Le Castellet
- Magny‑Cours – ehemaliger Formel‑1‑Austragungsort
- Montlhéry – traditionsreiche Hochgeschwindigkeitsstrecke