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Absinth in der Franche-Comté – Verbot, Geschichte und Wiederentdeckung

Absinth aus der Franche-Comté

Im 18. Jahrhundert entstand der Absinth im Schweizer Val de Travers. Von dort gelangte er nach Pontarlier in der Franche-Comté, wo er rasch an Bedeutung gewann und schließlich weltweite Bekanntheit erlangte. Um 1900 existierten in der Hauptstadt des Départements Haut-Doubs rund 25 Brennereien, die jährlich etwa 15 Millionen Liter produzierten. In den zahlreichen Bistros, Cafés und Schenken der Stadt fand der Absinth schnell seine Anhänger. Künstler und Schriftsteller ließen sich von ihm inspirieren, doch sein Ruf als gefährliches Getränk führte 1915 schließlich zum Verbot.

Aufstieg und Verbot des sagenumwobenen Absinths

Zum Aufstieg der sogenannten Grünen Fee trugen auch die französischen Kolonialtruppen bei. Sie nutzten Absinth zur Trinkwasserreinigung und behielten die Gewohnheit nach ihrer Rückkehr nach Frankreich bei. In den Pariser Cafés wurde der Absinth bald zum Modegetränk, und viele wollten den Soldaten nacheifern.

Mit der Zeit häuften sich jedoch Berichte über Exzesse. Auch berühmte Künstler wie Vincent van Gogh wurden mit dem Absinth in Verbindung gebracht. Man verdächtigte Inhaltsstoffe wie Thujon, gesundheitsschädlich zu sein, und so wurde das Getränk 1915 in vielen europäischen Ländern verboten. Der Absinth verschwand aus dem Alltag und wurde zum Mythos.

Absinth in der Franche-Comté

Erst 1988 wurde wissenschaftlich bestätigt, dass die negativen Auswirkungen vor allem dem hohen Alkoholgehalt zuzuschreiben waren. In vielen Ländern fiel das Verbot daraufhin. In Frankreich jedoch durfte Absinth bis 2011 nur unter der Bezeichnung spirituöses Getränk auf Basis von Absinth-Pflanzen verkauft werden.

Im Sommer 2012 erfolgte schließlich die vollständige Rehabilitierung: Absinth darf seither wieder unter seinem ursprünglichen Namen angeboten werden, ergänzt durch den Hinweis Boisson spiritueux.

Auf der Absinth-Straße die Grüne Fee entdecken

Wer sich auf die Spuren des Absinths begeben möchte, kann seit 2009 die Absinth-Straße erkunden. Sie führt von Pontarlier durch das Val de Travers bis in die Schweiz. Entlang dieser Route lassen sich Brennereien, Anbauflächen, historische Schmugglerpfade und Museen entdecken – darunter die Brennerei des ersten Absinth-Produzenten Pernod oder die Familienbrennerei Pierre Guy. Auch Produkte wie Schokolade, Wurstwaren oder kulinarische Spezialitäten mit Absinth können verkostet und gekauft werden.

www.routedelabsinthe.com (deutsch)

Entdeckung der Destillerie Pierre Guy

Die Destillerie Pierre Guy ist die letzte Familienbrennerei Pontaliers und ein zentraler Halt entlang der Absinth-Straße. Sie wurde 1890 von Armand Guy gegründet und wird heute in vierter Generation geführt. Besucher können historische Destillierapparate, alte Fässer und die traditionelle Herstellung von Absinth und Pontarlier-Anis kennenlernen. Darüber hinaus produziert die Brennerei Liköre, Obstbrände und in Alkohol eingelegte Früchte.

Absinthherstellung in der Franche-Comté

www.pontarlier-anis.com

Die Absinth-Sammlungen des Museums von Pontarlier

Ein weiterer Höhepunkt entlang der Absinth-Straße ist das Musée de Pontarlier. Es befindet sich in einem der ältesten Gebäude der Stadt und wurde 1977 gegründet. Neben der Stadtgeschichte widmet sich ein großer Teil der Ausstellung der Entwicklung des Absinths, die eng mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geschichte Pontaliers verbunden ist. Plakate, Objekte, Gemälde und Postkarten machen die Präsentation besonders anschaulich.

meinfrankreich.com/absinth