Mont Saint Michel – Bonjour France
Bonjour France – über Frankreich

Alabasterküste der Normandie – Küstenzauber auch an grauen Tagen

Einleitung

Alabasterküste in der Haute-Normandie bei Étretat, © ATOUT FRANCE / R-Cast Wer einen Urlaub in der französischen Region Haute-Normandie an der sehenswerten Alabasterküste mit ihren Kreidefelsen plant, wird das Wetter nicht vorausplanen können. Er wäre wohl enttäuscht, hätte er aufgrund von Bildern, die strahlenden Sonnenschein und im Meer Badende zeigen, sich für diesen Teil Frankreichs entschieden und dann im Juli, seiner Reisezeit, wolkenverhangenen Himmel vorgefunden. Dieser lässt zeitweise recht ausgiebigen Regen auch über den saftig grün leuchtenden Feldern im Hinterland niedergehen. Also ist es vernünftiger, von vorneherein den alten Spruch zu beherzigen: Das Wetter ist nie schlecht, nur die Kleidung falsch.

So ausgerüstet nimmt man Quartier in einem der Orte entlang der Küste, die sich nördlich von Le Havre rund 130 Kilometer lang bis hinter Le Tréport an der Grenze zur Region Picardie erstreckt. Dabei ist die Landschaft der Hautes Falaises, der hohen Kreidefelsen, mit ihren Küstenorten Saint-Jouin-Bruneval, Étretat, Yport, Fécamp und Saint-Pierre-en-Port der reizvollste Abschnitt der Côte d'Albâtre.

Étretat – Impressionisten, Kreidefelsen und Flugpioniere

Alabasterküste in der Haute-Normandie bei Étretat Bei Étretat sind die spektakulärsten Kreidefelsen zu sehen. Bis zu 75 Meter ragen dort die Felswände senkrecht aus dem Meer empor, bilden Grotten, Felsnadeln und Felsbögen. Die Romanfigur Arsène Lupin des Schriftstellers Maurice Leblanc soll in einer dieser ausgehöhlten Felsspitzen seine Beute versteckt haben.

Für den gemütlichen Besucher bietet sich der Aufstieg zur Porte d'Aval im Ortsbereich an. Sportlichere Urlauber haben die Wahl zwischen einem Rundwanderweg südlich von Étretat (11,5 km, etwa 3,5 Stunden Gehzeit, Höhenunterschied 95 m) oder einer Wanderung von Étretat nach Norden, nach Yport (11 km, etwa 3,5 Stunden Gehzeit, Höhenunterschied 90 m) – immer der Alabasterküste entlang.

Zum Aussichtspunkt Nôtre-Dame-de-la-Garde oberhalb von Étretat kann man auch mit dem Auto hinauffahren. Neben dem Monument zweier im Mai 1927 gescheiterter Flugpioniere bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die Bucht von Étretat und die umliegenden Kreidefelsen.

Seemöwen empfangen den Besucher, wenn man gegen Mittag in den Ort zurückkehrt. Étretat liegt in einer Senke zwischen zwei Kreidefelswänden direkt am Ärmelkanal. Die Straßen sind von Fachwerkbauten gesäumt, die hölzerne Markthalle in der Ortsmitte wirkt alt, wurde jedoch erst 1926 errichtet. Auf der Uferpromenade stehen Informationstafeln, die zeigen, wie Impressionisten wie Monet, Courbet oder Seurat genau diese Motive malten.

Bis in die 1970er-Jahre wehte noch der strenge Kabeljaugeruch durch den Ort – bis zu 30 000 Tonnen Fisch wurden hier jährlich angelandet. Heute locken zahlreiche Lokale. Im Restaurant Les Roches Blanches saßen einige Optimisten im Freien, die Realisten im Inneren – das Wetter und die Möwen gaben ihnen Recht. Letztere ließen sich aufdringlich auf den Tischen nieder und beobachteten durch die Fenster die Fischplatten, Muscheln, Austern, Krabben und Fischsuppen. Ein Glas Cidre passt immer, und zum Dessert wird ein trou normand angeboten – ein Calvados, der zwischen zwei Gängen ein Loch im Magen schaffen soll.
[nach oben zum Seitenanfang]

Fécamp – Zentrum der Alabasterküste und Heimat des Bénédictine

Alabasterküste in der Haute-Normandie bei Étretat Von Yport wird es nach dem Mittagessen wohl noch zu früh sein, aber ein Spaziergang in Fécamp lohnt sich. Eine halbe Stunde benötigt man von Étretat nach Fécamp, wo man zunächst zur Kapelle Nôtre-Dame-du-Salut hinauffährt. Von dort hat man einen schönen Blick über die in einer Senke liegende Stadt mit etwa 18 000 Einwohnern.

Sehenswert sind die Kirche Sainte-Trinité, der älteste und bedeutendste Sakralbau an der Côte d'Albâtre, und das Palais Bénédictine, in dem der berühmte Likör Bénédictine hergestellt wird.

In den Hafenanlagen entsteht ein neues Museumsgebäude für das Musée des Terre-Neuvas et de la Pêche. Bis in die 1970er-Jahre fuhr die Fischereiflotte von Fécamp bis nach Neufundland.

Ein Besuch in der Dreifaltigkeitskirche lohnt sich: Die extreme Länge des Kirchenbaus ist außergewöhnlich. Die Geschichte begann vor 1175, als der Vorgängerbau durch Blitzschlag zerstört wurde. Zu den Besonderheiten gehören eine Figurengruppe von 1495, die den Tod Mariens darstellt, sowie das marmorne Tabernakel mit der Reliquie des Heiligen Blutes.

Wer nicht gerade freitags oder samstags in Fécamp ist – da findet der Fischmarkt statt – kann wenigstens Cidre ab Hof kaufen. Und im Schokoladenmuseum warnen Insider: Die handgemachte Schokolade macht süchtig.

Schiffsnostalgie – Mit der Michel-Patrick entlang der Küste

Michel-Patrick, genannt Mil'Pat, ein alter Langusten-Fischkutter aus den 1960er-Jahren, wurde in den 1990er-Jahren liebevoll restauriert. Das Tourismusbüro von Fécamp bietet damit Ausfahrten entlang der Alabasterküste an. Während der zwei- oder vierstündigen Fahrten erlebt man die Kreidefelsen vom Meer aus – besonders eindrucksvoll bei Sonnenuntergang.

Im Hinterland der Alabasterküste

Auf der Weiterfahrt Richtung Norden sollte man einen Abstecher ins Landesinnere unternehmen. Dort liegt das geschichtlich interessante Schlosshotel Château de Sassetot in Sassetot-le-Mauconduit. In diesem ruhigen Ort urlaubte Kaiserin Elisabeth von Österreich im August und September 1875.

Die Alabasterküste ist ein Wander- und Vogelparadies. Der Weitwanderweg GR21 führt von Eu bis nach Le Havre entlang der Kreidefelsen. In deren Wänden nisten u. a. der Wanderfalke, die große Möwe und der große Kormoran. Im Hinterland findet man Eichenwälder, Flachs- und Rapsfelder sowie Apfel- und Birnbäume. Das Pays de Caux ist Frankreichs wichtigster Flachsproduzent.

Östlich von Fécamp gräbt sich das Tal des Flusses Ganzeville in das Pays de Caux und bietet seltenen Pflanzen wie vier Orchideenarten Lebensraum. Immer wieder überraschen Herrenhäuser (Manoirs) den Reisenden, oft mit Taubentürmen – einst ein Privileg der Gutsherren. Der Taubenmist eignete sich hervorragend als Dünger und ermöglichte intensive Landwirtschaft.

Folgt man dem Ganzeville weiter, erreicht man Valmont. Dort kann man die Abtei Nôtre-Dame du Pré besichtigen, die 1169 gegründet wurde.