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Bonjour France – über Frankreich

Explosiver Bénédictine – ein Kräuterlikör aus der Normandie

Alexandre Le Grand, ein Weinhändler und Industrieller aus Fécamp in der Haute Normandie, sitzt über einem Manuskript der Klosterbibliothek in Fécamp, von denen Teile ihm gehörten. Don Bernardo Vincelli, so liest er, ein Benediktinermönch aus Monte Cassino in Süditalien, war 1505 nach Fécamp ins Kloster gekommen. Ein begnadeter Kräuterexperte, wie Le Grand feststellt – und er vertieft sich in ein Likörrezept.

Die Entdeckung und Herstellung des Kräuterlikörs

Alexandre Le Grand 1895 mit Mitarbeitern im Palais Benedictine So war es wohl damals im Jahr 1863 gewesen, als Alexandre Le Grand jenes Grundrezept für den heute weltweit bekannten Kräuterlikör Benediktiner gefunden hatte. Doch zunächst musste er die Schrift entziffern, dann das Rezept in die damalige Zeit übersetzen und schließlich durch unzählige Experimente die genaue Zusammensetzung jener 27 Kräuter herausfinden, die den Geschmack des heutigen Produkts ausmachen. Koriander, Safran, Vanille, Muskatnuss, Aloe, Thymian, Génèpi, Arznei-Engelwurz, Ysop und andere Kräuter werden gemischt, destilliert und drei Monate in Eichenfässern gelagert. Danach erfolgt ein Aufguss aus Vanille, Safran, Honig und Karamell, bevor der Likör weitere vier Monate reifen muss und dabei immer wieder erhitzt wird, um die Haltbarkeit zu erhöhen. Je nach Sorte – es werden vier Mischungen angeboten – dauert es nochmals einige Monate bis zu insgesamt zwei Jahren, bevor der Likör zum Genuss gereift ist.

Die vier verschiedenen Liköre

Benedictine Likörsorten 40 Prozent Volumenalkohol weist das Original auf, der mit Cognac versetzte Likör ebenfalls 40 Prozent. Nur der Benediktiner Single Cask ist mit 43 Prozent noch stärker. 1977 brachte das Unternehmen, das heute zu Bacardi Limited mit Sitz auf den Bermudas gehört, den Café Benediktiner mit 30 Prozent Volumenalkohol auf den Markt. Sie alle reifen in zwölf Kellern – Platz für zwei Millionen Liter – bei 12 bis 13 Grad Celsius, natürlich belüftet in natürlichen Kellern, in denen Mobiltelefonverbot herrscht. Die hohe Alkoholkonzentration könnte bei Betrieb eines Mobiltelefons zu einer Explosion führen.

Das Palais Benedictine

Palais Benedictine in Fécamp

Einen Teil der Produktion kann der Besucher bei seinem Rundgang durch das Palais Benedictine erleben. Doch dieses Palais ist mehr als nur Produktionsstätte des Kräuterlikörs. Das Gebäude ist eine Mischung aus Palast, Museum und Produktionsstätte, 1882 von Architekt Camille Albert in einem halb gotischen, halb Renaissance-Stil entworfen und 1888 eingeweiht. Bereits 1892 wurde es durch ein Feuer zerstört und erhielt sein heutiges Aussehen beim Wiederaufbau. Noch heute wird der Kräuterlikör in diesem Gebäude hergestellt. Eine ehemalige Werkshalle, in der bis 1972 Flaschen abgefüllt wurden, ist heute Teil des Museums.

Das Museum

Postillion-Stiefel  im Museum Durch das Museum, das im Jänner bis Anfang Februar geschlossen ist, kann man alleine gehen oder an Führungen teilnehmen. Zu sehen sind Teile der Klosterbibliothek, die Alexandre Le Grand gehörten, eine Ausstellung sakraler Gegenstände wie Reisealtäre aus Elfenbein, Statuen und die Statue des heiligen Dionysius, des Schutzpatrons Frankreichs. Die Legende berichtet, Dionysius habe auf dem Richtplatz am Montmartre sein abgeschlagenes Haupt aufgehoben, es in einer Quelle gewaschen und sei dann mit dem Kopf unter dem Arm sechs Kilometer Richtung Norden gegangen – zu jener Stelle, wo er begraben werden wollte.

Zu sehen sind außerdem alte Geräte wie die Siebenmeilenstiefel eines Postillions: alle sieben Meilen wurden früher die Pferde gewechselt, und bis dahin mussten die Pferde mit diesen schweren Stiefeln angetrieben werden. Reisetruhen, in denen man sein Vermögen transportierte, zeigen Symbole wie Hunde im Eisen – war die Truhe ausgeräumt, war man auf den Hund gekommen. In einer kleinen Schatulle konnte man etwas auf die hohe Kante legen. Damit diese Truhen nicht gestohlen wurden, schraubte man sie im Boden fest und sicherte den Deckel mit sechzehn Schlössern – alle mit demselben Schlüssel zu öffnen. Interessant sind auch die Werbeplakate des Unternehmens im Wandel der Zeit.

Zum Abschluss eines Besuches im Palais Bénédictine kann man die Liköre kosten und in einem umfangreichen Shop als Mitbringsel erwerben.

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