Blumiges Lyons-la-Forêt in den Buchenwäldern der Normandie
Einmal am Pariser Flughafen Charles de Gaulle gelandet, sind es noch knappe zwei Stunden oder rund 120
Kilometer in nordwestlicher Richtung und man befindet sich im 10,7 Hektar großen Forêt de Lyons, dem Wald von Lyons.
Inmitten dieses gerne als schönsten Buchenwald Frankreichs bezeichneten Landstrichs liegt der kleine Marktflecken
Lyons-la-Forêt, eines der schönsten Blumendörfer Frankreichs. Doch der Reihe nach.
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Wir befinden uns in der französischen Region Normandie, genauer gesagt in der Haute-Normandie, jenem Teil der Normandie, der sich nordöstlich der Seine erstreckt. Hier ist auch die Alabasterküste zu finden, die mit ihren Kreidefelsen weltberühmt ist und schon von den impressionistischen Malern wegen ihres besonderen Lichts gerne besucht wurde. Claude Monet lebte in dem kleinen normannischen Dorf Giverny an der Seine, das nur wenige Kilometer vom Wald von Lyons entfernt ist. Dieser Wald erstreckt sich im Landesinneren der Haute-Normandie, östlich der Stadt Rouen.
Ins Blumendorf mitten im Wald
Mitten im Wald: das etwa 700 Einwohner zählende Dörfchen Lyons-la-Forêt. Warum, so rätselt nun vielleicht der
eilige Tourist, soll ich denn diesen abseits gelegenen, kleinen, unbekannten Ort besuchen? Nun, dafür gibt es gleich
mehrere Gründe.
Erstens wurde dieses Dorf beim alljährlich stattfindenden, landesweiten Wettbewerb zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs gekürt und schmückt sich nun, neben Blumen, mit dem Zusatz Village fleurie. Wobei es bei diesem Wettbewerb nicht nur um Blumen an sich geht, sondern auch um die Vielfalt der Sorten, die Auswahl der Farben – insgesamt 20 Kriterien müssen erfüllt werden. Und dann muss man sich unter rund 12.000 Gemeinden behaupten, die an diesem Wettbewerb teilnehmen.
Einhorn- und Hirsch-Hotel mit ein paar Eigenheiten
Zweitens fühlt man sich am Marktplatz, der von einer historischen Markthalle aus dem 18. Jahrhundert dominiert wird, sofort wohl und findet ein paar nette Übernachtungsmöglichkeiten. Zum Beispiel in den etwas eigenwillig eingerichteten Zimmern des Hotels De la Licorne (Zum Einhorn, im Internet). Da kann schon einmal die Badewanne alleine in einem Winkel des Zimmers stehen.
Oder im Hotel du Grand Cerf (Zum großen Hirschen,
im Internet),
wo die Betten von Ästen zusammengehalten werden. Beim Hotel Les Lions de Beauclerc weiß man nicht so recht, ob man sich
in einem Antiquitätenladen oder einem Hotel befindet. Sehenswert sind auch die historischen Gefängniszellen im Rathaus
(wo man allerdings nicht mehr übernachten kann…) sowie eine alte Mühle im Fachwerkbaustil.
Nie weit zum nächsten Ausflugsziel
Drittens kann man von Lyons-la-Forêt aus einige interessante Ausflüge unternehmen. Zum Beispiel zum Wohnhaus von
Claude Monet, das heute ein Museum ist und in dessen Garten man spazieren gehen kann. Nachteil: dieses Museum ist
sehr überlaufen.
Ein anderer Besuch sollte unbedingt dem Château de Vascoeuil gelten! Dort lebte der französische Historiker Jules Michelet. Das Besondere ist jedoch der Skulpturengarten mit Werken u.a. von Braque, Dali oder Volti sowie das Taubenhaus, ein typisch normannisches Gebäude. Und natürlich kann man Wanderungen durch die Buchenwälder unternehmen.
Sechs Kilometer südlich von Lyons-la-Forêt wartet die ehemals mächtige Zisterzienserabtei Abbaye de Mortemer. Im 17 Kilometer südöstlich gelegenen Dorf Ry spielt Flauberts Roman Madame Bovary. Claude Chabrol verfilmte den Roman 1990 in Lyons-la-Forêt und schenkte dem Dorf den dafür errichteten Brunnen. Auch Maurice Ravel verbrachte 1917 einen Sommer hier.
Erholen, Ausspannen – nur beim Essen war's etwas eigenartig
Wenn man müde von Ausflügen zurückkehrt, kann man im Spa Nuxe des Hotels De la Licorne schwimmen oder sich massieren
lassen (auch für Gäste des Grand Cerf). Beide Hotels haben feine Restaurants, wobei es bei Halbpension im Einhorn
etwas eigenartig zuging: Der Kellner reichte die Karte, ließ wählen – und erklärte dann, dass Halbpension ein fixes
Menü sei. Wozu dann die Karte? Vielleicht, um zu zeigen, was es sonst gäbe.
Das Halbpensionsmenü bestand aus Vorspeise und Hauptspeise oder Hauptspeise und Nachspeise. Bei letzterer Kombination verließ man den Tisch etwas hungrig. Ein Glas Wein kostete bei meinem Besuch im Sommer 2012 fünf Euro.
Weitaus gemütlicher und günstiger speist man im Restaurant de la Halle
(im Internet),
bei schönem Wetter direkt am Marktplatz. Biertrinker sollten sich in der Normandie
auf Preise zwischen € 3,50 und € 5,00 für ein Viertel, € 6,50 bis 8,50 für die Halbe
und Craft Bier von lokalen Brauereien die Halbe zwischen € 7,00 und 10,00 einstellen (Preise 2025).
Auf jeden Fall zahlt es sich aus, einen Abstecher nach oder eine Nacht in Lyons-la-Forêt zu verbringen. Man lernt ein Stück typisches Frankreich kennen, das Beschaulichkeit und Ruhe bietet.