Kalabrien
Kalabrien ist eine Region mit Normalstatut im äußersten Süden Italiens. Sie umfasst 15 222 km² und zählt 1 832 147 Einwohner (Stand 2025). Hauptstadt ist Catanzaro.
Sehr schöne Strände finden sich rund um Tropea an der Westküste sowie zwischen Crotone und dem Südspitz an der Ostküste – dort liegen zahlreiche internationale Clubanlagen. Die Hochebene La Sila ist ein ideales Wandergebiet. Für Seetüchtige lohnt sich ein Ausflug zu den Liparischen Inseln (u. a. Stromboli) von Vibo Valentia aus.
In den Sommermonaten ist Kalabrien stark von italienischen Urlaubern besucht, doch vor allem an der Ostküste finden sich zunehmend auch urlaubshungrige Mitteleuropäer. Die Ostküste ist flach, weitläufig und sandig, während die Westküste eher felsig ist, mit vielen Buchten und einem bergigen Hinterland.
Im bergigen Landesinneren wachsen Maronen- und Zitrusbäume. Die ruhigen Dörfer lassen sich wunderbar auf ausgedehnten Wanderungen und Trekkingtouren erkunden. Nationalparks und Naturschutzgebiete bieten eindrucksvolle Naturerlebnisse. Rafting- und Kajaktouren auf dem Fluss Lao im Nationalpark Pollino sorgen für sportliche Abwechslung.
Ein kleiner Geheimtipp ist das kalabresische Sila-Gebirge, das im Winter sogar Wintersport ermöglicht. Die zwei Bronzestatuen von Riace befinden sich im Landesmuseum von Reggio Calabria – eindrucksvolle Zeugnisse der Magna Graecia, erst 1971 im Ionischen Meer entdeckt. Entlang der rund 800 Kilometer langen Küste liegen zahlreiche Badeorte mit weitläufigen Bilderbuchstränden, darunter der zu den schönsten Stränden der Welt zählende Capo Vaticano.
Auch kulinarisch hat Kalabrien viel zu bieten: Die roten Zwiebeln von Tropea, die cipolle rosse, sind für ihren süßlichen Geschmack berühmt und tragen die geschützte Ursprungsbezeichnung I.G.P. (Indicazione Geografica Protetta). Das in Deutschland sehr bekannte Tartufo-Eis stammt ursprünglich ebenfalls aus Kalabrien.
Im Internet:
www.turiscalabria.it
Persönliche Erinnerungen an Kalabrien
Der Reisekatalog
Während meiner Tätigkeit bei REISEN+FREIZEIT in der Gruppenabteilung (1982-1986) hatte ich eine Zusammenarbeit mit einem Ehepaar, er Italiener, sie Deutsche, die in Süditalien ein Reisebüro führten. Sie hatten ein interessantes Hotel- und Ferienwoh-nungsangebot in Kalabrien, auf den Äolischen Inseln (den „Windinseln“, in der griechischen Mytho-logie Sitz des Windgottes Äolus, heute für die Vulkaninsel Stromboli bekannt) sowie auf Sardinien. Dafür hatten sie einen deutschsprachigen Katalog, der schon damals im italienischen Druckereizentrum Bologna gedruckt wurde.
Einmal war ich von ihnen eingeladen, einige Objekte in Kalabrien und auf den Äolischen Inseln zu besichtigen und war von München über Rom nach Lamezia Terme in Kalabrien geflogen. Bei der Besichtigung einer weitläufigen Ferienwohnanlage fiel mir auf, dass überall vor den Häusern die Autos mit Zündschlüsseln im Zündschloss steckend parkten und die Haustüren nicht versperrt waren. Ob denn das nicht gefährlich wegen Diebstahl wäre, fragte ich meine Begleiter. „Ja“, antwortete einer der beiden, „aber nur für einen möglichen Dieb. Dieser würde den Tag aber nicht überleben. Dafür sorgt in diesem Gebiet die Camorra!“
Ich hatte dann später mit meinem eigenen Reisebüro „mosaik reiseservice“ mit den beiden auch noch eine Geschäftsverbindung. Ich erhielt von ihnen ein paar Jahre lang einen Katalog in deutscher Sprache mit ihren Ferienwohnungs- und Hotelangeboten. Sie luden mich in einem September zu Besichtigungen ihrer Objekte in im Norden von Sardinien an der „Costa Smeralda“ ein, damals noch eine der teuersten Urlaubsgebiete Europas. Doch irgendwann informierten mich italienische Freunde, dass die beiden nicht ganz „sauber“ seien und ich keine weiteren Geschäfte mit ihnen machten sollte. Dazu kam noch ein persönliches „nebeliges Abenteuer in der Poebene“ und eine nicht vereinbarte Zahlungsaufforderung für den Druck eines Katalogs. Ich beendete die Geschäftsbeziehungen und über das Nebelereignis berichte ich dann in der zweiten Auflage dieses Buches.
Ferrari
Es war vor vielen Jahren. Ich war drei Tage zu einer Informationsreise vom italienischen Reiseveranstalter Foderaro Viaggi nach Lamezia Terme in Kalabrien eingeladen. Die Flüge wurden von Alitalia zur Verfügung gestellt und ich wohnte im Clubotel Rocca Nettuno. Der damalige Chef der Touropa Austria, Werner Lang (* 1936; † 2024), war einer der geladenen Gäste.Leider kam sein Gepäck nicht an, und so erschienen seine Frau und er – auch am Galaabend – in Leibchen, Jeans und Rock. Unter dem Applaus der elegant gekleideten Gäste betraten sie den Saal in genau jener Kleidung, in der sie angereist waren. Das italienische Fernsehen war da, ebenso wichtige Manager von Alitalia und aus dem Fremdenverkehr – kurz: alle, die sich blicken lassen, wenn es Essen und Trinken gratis gibt.
Mit besonderer Freude erinnere ich mich daran, dass mich RAI, das italienische Fernsehen, damals zu meinen Eindrücken von der Inforeise, von Kalabrien und überhaupt zu meiner Arbeit interviewte. Es war das erste von zwei Interviews, die ich im Laufe meiner Touristikerlaufbahn in Italien gab – ein Moment, der mir bis heute lebhaft in Erinnerung geblieben ist.
„Muss ich meine Rückflüge mit Alitalia bestätigen?“ – natürlich nicht notwendig, hieß es von den Vertretern der Alitalia. Bei dieser Dichte an wichtigen Persönlichkeiten und Alitalia‑Managern – welch überflüssige Frage.
Transfer zum Flughafen, Sonntagnachmittag, heiß – es war Juni. Die letzte
Maschine nach Rom, damit ich meinen Anschluss nach München noch erreichte.
Beim Check‑in am Provinzflughafen von Lamezia Terme:
„Signor Krackowizer? No, no, Sie sind nicht auf der Passagierliste.
Leider, die Maschine ist voll. Morgen wieder.“
Wie bitte? Kann ich den Stationsleiter sprechen?
„No, no, ganz unmöglich – es ist gerade der Formel‑1‑Lauf im Fernsehen"
Bitte, was heißt hier Formel‑1‑Lauf? Ich muss die Maschine in Rom
bekommen!
„No“ – und nochmals „no“.
Was blieb mir anderes übrig? Wichtige Leute hin, Alitalia‑Menschen her: Ich ließ mein Gepäck fallen, mitten in der Abfertigungshalle, und begann zu brüllen – so richtig schön laut zu brüllen. Ein paar Minuten später erschien der Stationsleiter, drückte mir mein Ticket in die Hand und bat mich zu verschwinden – er müsse den Zieleinlauf mit Ferrari an der Spitze mitbekommen.